Sommert.rau.m
Kurzprosa von Victoria Pavot
Ich manifestiere dich, deine grünen Augen, mit goldenen Sprenkeln. Du bist Sommer, deine Augenfarbe Unbeschwertheit, Sonnenstrahl und Wald. Ich verliere mich jedes Mal in ihnen, vielleicht sind sie auch einfach ein grünes Meer, sie ziehen mich hinein, ich kann nicht anders.
Ich manifestiere dich, zerkleinere Kräuter, atme ein und aus, drücke auf das vertrocknete Zeug, es kratzt ein bisschen auf der braunen Schale. Ich starre auf das hässliche Muster, altes Geschirr aus Moms Keller, aber vielleicht hilft es mir.
Ich will dich unbedingt, schon vor Monaten, als du die Post brachtest, fielen mir diese Sommerwaldaugen auf, zusammen mit deinen schwarzen Haaren waren sie einfach die perfekte Mischung, Du ein gedankenverlorener Fremder im Karohemd, schüchtern, aber so, so besonders. Vielleicht sprachst du nur mit Auserwählten, ich war nur ein „Hallo“ im Treppenhaus, ein Vorbeigehen, aber du direkt meine Sommerwelt.
Ich wünsche dich herbei. Das Internet sagt, in Raunächten ist alles möglich, und ich glaube daran, Lavendel, Salbei, Harmonie, sie wird dich zu mir bringen, nicht nur ins Treppenhaus. Ich höre auf zu zerkleinern und zünde an, denn ich will nicht nur eine Begrüßung sein, will mehr, und es wird passieren, auch, wenn jetzt noch der Winter herrscht. Ich rieche es schon, Lavendel ist auch Sommer, du bist Sommer, alles eins.
Ich träume dich umher, Kräuter und Raunacht, deine Augen, ich zause Deine Haare, schwarze Locken, sie sind ganz weich. Du bist mein Traum, ich weiß es, bald bist du da, in meiner Wohnung, wir trinken Kakao, und ich flüstere dir meine Liebe zu.
Ich erschrecke mich und reiße die nun brennenden Augen auf, der Ton des Rauchmelders ist unerbittlich, er zerreißt meine Ohren fast, vielleicht muss ich mir etwas Neues einfallen lassen, für dich und ein baldiges Uns, das Internet hat gelogen. Ich schütte Wasser auf die Schale, das hier muss geheim bleiben und vergehen, bevor Mom heimkommt, vielleicht hattest Du einfach schlechte Laune, mein schüchterner, grünäugiger Sommerkönig. Ich weiß es nicht, aber ich glaube an uns.
