Am Sonntag will mein Süßer mit mir wandern gehn

Gedicht von Elisabeth Kuhs

Am Sonntag will mein Süßer mit mir wandern gehn,
das find‘t er wunderschön,
um fünfe aufzustehn.
Am Sonntag nimmt mein Süßer seine Wanderschuh,
mir falln die Augen zu –
ich fluch und gähn.

Egal bei welchem Wetter:
Ihn zieht‘s hinaus.
Dabei wär’s doch viel netter,
wir blieben mal zu Haus.

Vor mir aus soll er wandern
durch Stock und Stein,
mit irgendwelchen andern,
warum muss ich das sein?

Am Sonntag will mein Süßer auf die Gipfel steig‘n,
wo sich die Wipfel neig’n,
auf steilem Bergespfad.
Am Sonntag atmen wir dann frische Höhenluft
und Alm- und Wiesenduft –
ich hab das satt!

Er liebt nun mal das Wandern
durch Berg und Tal.
Ich such mir bald n andern,
und dann kann er mich mal.

Am Sonntag morgens früh so gegen Viertel acht,
bevor er’s noch gedacht,
hab ich dann Schluss gemacht.
Am Abhang war die Aussicht wieder mal grandios,
und da genügt dann bloß
ein kleiner Stoß.

Am Sonntag werd ich niemals wieder wandern gehn,
und wenn die Hähne krähn,
brauch ich nicht aufzustehn.
Am Sonntag kriegen mich nicht mal zehn Pferde raus,
ich bleib allein zu Haus
und schlafe aus!

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