Martinsgedicht

Gedicht von Christian Behrens

Martinsgedicht

Nun wird es Zeit, die Lichter anzuzünden,
ein wenig Wärme tut mal wieder Not;
wir singen tief und aus verschied’nen Gründen
und loben Abendrot und Abendbrot.

Wir heben unsre Augen auf zum Himmel
und wissen selbst nicht so genau, warum;
der Martinszug beginnt mit viel Rabimmel
und endet endlich mit einem Rabumm.

Manch müder Krieger wünscht sich Süßigkeiten,
doch viele haben nur ein Loch im Bauch,
für Weicheier nahn ziemlich harte Zeiten
und, wie es scheint, für alle andren auch.

Barmherzigkeit ist immer so ne Sache,
bei Sonnenschein fällt sie nicht ganz so schwer,
weit draußen hält der Tod die letzte Wache,
und was mal wichtig war, das lohnt nicht mehr.

Ich halt mein Kind, mein Kind hält die Laterne,
seh ich es an, dann sehe ich das Licht
und etwas Hoffnung ganz weit in der Ferne;
was ich nicht sehen will, das seh ich nicht.

Wie gern würd ich, wenn ich nicht wüsste, glauben,
wie gern ritt ich daher mit leichtem Mut,
und gerne ließ‘ ich den Verstand mir rauben,
und gern hielt‘ ich die Welt und mich für gut.

Doch fehlt auch mir der Mut zum Mantelteilen,
die Angst vor Kälte ist noch immer groß;
wir würden andren gern zur Hilfe eilen
und stellen uns doch selbst nicht gerne bloß.

Vielleicht braucht’s die Idee von Lichtgestalten
und vom Sankt Martin ganz tief in mir drin,
vom Wunsch, beim armen Bettler anzuhalten,
vom Wunsch nach Frieden und nach einem Sinn

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