Mann in Tölz

    Daniel Lang, „Nicht auf der Rasenkante gehen“! – Die Familie Mann und ihr Landhaus in Bad Tölz 1908 – 1917, [peniope] Anja Gärtig Verlag, München, 2007, ISBN 978-3-036609-33-2, 137 S, kartoniert

    Die Herausgabe wurde unterstützt vom Thomas-Mann-Förderkreis München e.V., der Stadtsparkasse Bad-TölzWolfratshausen, der Buchhandlung Winzerer, der Stadt Bad Tölz, der Zauberberg-Stiftung zur Förderung der Thomas-Mann-Forschung und Herrn Martin Hake, Bad Tölz

    Den Wenigsten ist bekannt, dass Thomas Mann in seiner Münchner Zeit ein Landhaus in Bad Tölz hatte und dass in der dortigen Landschaft einige Naturvorbilder in den Schilderungen seiner Werke liegen. Doch nicht nur er wurde dadurch beeinflusst; auch in den Werken seiner Kinder kommen Eindrücke aus Kindheit und Landschaft vor.

    Aufmerksam machte den Rezensenten darauf Frau Zantl, die Eigentümerin der Buchhandlung Winzerer, der auch ein Inteview in dieser Ausgabe gewidmet ist. Sie engagiert sich sehr für das Bilden und das Aufrechterhalten der Erinnerung an die Familie Mann in ihrer Heimatstadt Bad Tölz, eine Tatsache, auf die Bad Tölz und seine Umgebung zurecht stolz sein können.

    Der Autor Daniel Land erinnert daran, dass Landhäuser für Dichter, eigentlich für Künstler generell, prägend auf die Kunst und Literatur wirken, so auch bei Thomas Mann. Die Familie Mann ist zum ersten Mal in der Sommerfrische im Jahr 1906 gewesen. Es ging um die Erholung der schwachen Gesundheit, wie aus den Unterlagen zitiert. Die Gegend war der Familie Mann bereits aus den 80iger Jahren des 19. Jahrhunderts, als diese in Bad Kreuth urlaubte.

    Im Jahr 1908 waren bereits die Kinder Erika und Klaus Mann geboren. Im Sommer 2008 arbeitete Thomas Mann am zweiten Roman „Königliche Hoheit“, der dort fertig werden sollte. In dieser Zeit wurde das Grundstück erworben. Im September 2008 wurde der Bau begonnen. Im Juli 2009 wurde das Haus bezogen, da war bereits das 3. Kind von Katia Mann geboren.

    Das Buch behandelt Planung, Bau und Finanzierung ausführlich und vermittelt dadurch einen guten und kurzweiligen Einblick in die damalige Zeit sowie auch das Leben der großbürgerlichen Familie Mann. Ebenso erhält der Leser ein Eindruck, wer alles mit den Manns verkehrte. Es ist unschätzbar, dass Briefe, Tagebücher und Notizen aller Mitglieder der Familie Mann und ihrer Umgebung der Recherche durch den Autor offenstanden.

    Trotz des sicherlich großen Fundus ist es dem Autor gelungen, eine leicht lesbare und in sich kohärente Darstellung der Ereignisse zusammenzustellen. Vom fertigen Landhaus Thomas Mann ist sogar auf S. 25 eine Postkartenansicht vorhanden, die sich in einer Privatsammlung befindet.

    Im Jahr 1917 musste das Landhaus aus finanziellen und anderen Gründen leider veräußert werden. Die Zeiten im Ausklang des 1. Weltkriegs waren schlecht und trafen auch die an und für sich nicht unvermögende Familie Mann.

    Im 2. Teil der Darstellung geht der Autor an die Aufgabe heran, den „Spiegelungen örtlicher Gegebenheiten von Bad Tölz in den Werken von Thomas und Klaus Mann“ (S. 81ff) nachzustöbern. Dabei werden interessante Aspekte und Tatsachen ans Licht gebracht, die sicherlich das Eine oder Andere gelesene in einem interessanten Licht erscheinen lassen.

    Dabei geht Daniel Lang auf die Entstehung der Novelle „Tod in Venedig“ ein. Ebenso fängt er den Bezug der Kurzgeschichte „Herr und Hund“ mit dem Kauf des Tölzer Familienhundes ein. Auch im „Zauberberg“ finden sich Bilder aus dem schneereichen Winter 1914/1915 wieder, den die Familie Mann in Bad Tölz verbrachte. Ebenso ist die Weiher-Episode in „Doktor Faustus“ der Spiegel des Tölzer Klammerweihers (S. 90).

    Auch im Werk von Klaus Mann, dem ältesten Sohn Thomas Manns, hinterließ die Tölzer Kindheit Spuren. Genannt sei die „Kindernovelle“, die er als Antwort auf die Novelle „Unordnung und frühes Leid“ seines Vaters Thomas verfasste. Die Spannungen zwischen beiden sind ja hinlänglich bekannt.

    Im Werk „Flucht in den Norden“ von Klaus Mann lassen sich ebenfalls Spuren der Tölzer Zeit nachweisen. Der „schwarze See“ dieser Romans bezieht sich auch eindeutig auf den bereits oben genannten Tölzer Klammerweiher“ (S. 99f).

    Zum Abschluss des Buchs wird in einer Übersicht das Schicksal der Tölzer Villa besprochen. Das Haus befindet sich heute im Besitz des Ordens der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau in Bayern und ist seit 1973 unter Denkmalschutz gestellt.

    In einem Nachwort von Dirk Heißerer wird ab S 133 ein wenig auf die Aktivitäten des Freundeskreises der Familie Mann in Bad Tölz eingegangen, deren Wirken das Buch und auch das Fördern des Wissens um die Tölzer Zeit der Manns sehr am Herzen liegt. Albert von Schirnding hat bei der Lektorierung des Buchs mitgewirkt und dem Band ein Vorwort beigegeben.

    Netfinder:
    www.peniope.de
    www.tmfm.de
    www.buchhandlung-winzerer.de

    Walther, Weltweitweb im Juni 2009

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