Interview mit dem Internet-Literaturforum Gedichte-Eiland

Frage 1: Wie ist Ihre Webseite entstanden? Wann gab es die erste Idee dazu, und wie waren die ersten Schritte zur Umsetzung?

Falderwald: Vor einigen Jahren starteten meine Lebensgefährtin Dana und ich eine Umfrage unter befreundeten Internetdichter/Innen, wer Interesse daran hätte, ein neues Lyrikforum zu gründen. Schnell fanden sich ein paar Leute zusammen, und es entstand ein Arbeitskreis.

Nach gründlichen Planungen und einigen personellen Umbesetzungen stellten wir dann schließlich am 01. Juni 2008 das Forum „dielyriker.de“ online.

Anfang 2009 kam es zu internen Querelen bezüglich der qualitativen Ausrichtung und zu Kompetenzschwierigkeiten, die nicht überwunden werden konnten, so dass Dana und ich uns in letzter Konsequenz aus diesem Projekt zurückzogen.

Ende Januar 2009 entstand die Idee, ein eigenes, neues Forum zu kreieren.

Dann ging alles ganz schnell. Wir besorgten uns die geeignete Software, mieteten einen Serverplatz und meldeten die Domain „gedichte-eiland.de“ an.

Im Februar ging dann am Freitag, den 13.02.2009, pünktlich um 13:13 Uhr das Gedichte-Eiland an den Start.

 

Frage 2: Welche Zielgruppe(n) hatten Sie beim Aufbau der Webseite im Sinn? Welches Konzept verfolgt außerdem? Wie erfolgen die Auswahl und das Gewinnen neuer AutorInnen?

Falderwald: In erster Linie möchte das Gedichte-Eiland eine Plattform für all jene sein, die Spaß an der Dichtung haben und sich darüber austauschen möchten. Das sollte in einer lockeren Atmosphäre ohne ein allzu einschränkendes Regelwerk stattfinden.

Es gibt keine Aufnahmekriterien, wir betreiben aber auch keine Werbung, so dass in der Regel neue AutorInnen wohl durch Mund zu Mund Propaganda auf unsere Seite aufmerksam werden.

 

Frage 3: Wenn Sie die letzten Jahre Revue passieren lassen, was waren die herausragenden Ergebnisse und Ereignisse? Wenn Sie sich die ursprüngliche Konzeption in Erinnerung rufen, was davon haben Sie realisiert, wo gibt es die stärksten Abweichungen, und wo liegen die Gründe dafür?

Falderwald: Es gab Höhen und Tiefen wie im normalen Leben. Die Leute kamen, und sie gingen wieder. Das Forum konnte teilweise bis zu 400 Beiträge in 24 Stunden aufweisen, es gab aber auch solche Tage, wo nicht ein einziger verfasst wurde.

Das „Gedichte-Eiland“ sollte eine Webseite für ein leichtes und konstruktives Miteinander auf einem Fundament aus gegenseitigem Vertrauen und Toleranz für alle an der Lyrik Interessierten sein. Nun gibt es freilich – neben dem Talent – die unterschiedlichsten Charaktere unter den DichterInnen, so dass dieses Konzept leider nicht immer praktisch umgesetzt werden konnte, denn die Motivationen einiger (ehemaliger) Mitglieder hinter ihren Internetauftritten waren doch zu unterschiedlich.

So kam es zwangsläufig zu Trennungen, und auch das Regelwerk musste manchen Umständen angepasst werden, was nicht in unserem ursprünglichen Sinne lag. Ich möchte mich an dieser Stelle aber auch noch einmal ganz herzlich bei unserer Moderatorin Chavali bedanken, die uns von der ersten Stunde an treu und tatkräftig zur Seite gestanden hat.

 

Frage 4: Unter den Literaten gibt es einen bösen Spruch: „Ist die Prosa dir zu schwierig, ver-suche es einmal mit Lyrik“. Wie gehen Sie in Moderation und Forum damit um? Welche Rolle spielt für Sie die Arbeit an und die Beschäftigung mit Form, Metrum und dem Sprachvermögen in den Beiträgen?

Falderwald: Nun, den Schwerpunkt auf dem „Gedichte-Eiland“ bildet natürlich in erster Linie die Lyrik. Beide Gattungen sind miteinander verwandt, ich mag mir kein Urteil anmaßen, welche künstlerisch wertvoller ist.

Viele AutorInnen beherrschen beides exzellent, und ich finde, Lyrik und Prosa sollten sich ergänzen und nicht in Konkurrenz zueinander auftreten. Ich persönlich tendiere mehr zur klassischen Dichtung und lege größten Wert auf Form, Metrik, Reim und eine natürliche Sprache ohne Inversionen bei meinen Werken.

Aber das sind, wohlgemerkt, nur meine persönlichen Standards.

 

Frage 5: In welche Richtung wird sich die Webseite entwickeln? Wo wollen Sie in zwei bis drei Jahren sein?

Falderwald: Das kann man nicht wissen. Es gibt sehr viele Lyrikforen, und wir werden unsere Seite so lange aufrechterhalten, wie es möglich ist. Unsere Ansprüche sind bescheiden, und daher freuen wir uns über jeden netten Austausch.

 

Frage 6: Was unterscheidet die Lyrik-Szene in Deutschland, im deutschsprachigen Raum von der vergleichbarer europäischer Staaten? Wie stellen sich für Sie Indi-Szene und die offizielle Lyrik-Preis-Szene zueinander dar? Aus welchen Quellen werden die stärksten Impulse für die deutschsprachige Lyrik in Zukunft kommen?

Falderwald: An dieser Stelle möchte ich einmal Heinrich Heine zitieren. Er bezeichnete die Lyrik als brotloseste aller Künste und damit hatte er wohl Recht. Die Dichtung wird wohl für uns immer nur ein schönes Hobby neben dem eigentlichen Broterwerb bleiben, und so fehlt uns einfach die Zeit, uns mit der Lyrik anderer europäischer Staaten, der Indi-Szene oder der Lyrik-Preis-Szene entsprechend zu beschäftigen.

Ich glaube aber, dass in den deutschsprachigen Lyrikforen jede Menge lyrische Perlen zu entdecken sind.

 

Frage 7: Wie positionieren Sie Ihre Initiative für oder gegen andere ähnliche Internetforen? Wie sieht die Zusammenarbeit mit renommierten Verlagen aus? Streben Sie eine solche Zusammenarbeit an?

Falderwald: Wir orientieren uns nicht an anderen Lyrikforen, sondern entwickeln unser eigenes Erscheinungsbild. Die Zusammenarbeit mit einem renommierten Verlag wäre eine tolle Sache. Vielleicht lässt sich dieser Traum ja eines Tages doch noch realisieren.

Vielen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf den gemeinsamen Schreibwettwerb, deren Gewinnerinnen und Gewinner im Blog und im Magazin ab Ende November 2015 veröffentlicht sein werden!

Die Gesprächspartner:

Falderwald ist neben Dana einer der beiden Betreiber des Internet-Literaturforums Gedichte-Eiland.
Walther stellte die Fragen für zugetextet.com.

Mehr zu Falderwald: http://www.zugetextet.com/?p=353

Netfinder: http://www.gedichte-eiland.de

Weltweilweb, den 14.09.2015

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