An Dichter denkt in Deutschland keiner, auch die Dichter nicht

    Die Postgebühren, das Libri-Delisting, die KNV-Insolvenz, der niederschmetternde Erfolg der Petition „Der Lyrik eine Bresche“: Es steht nicht gut um die deutsche Literatur. Als die erste Dürre über die Bauern kam, öffneten die Regierungen ihr Geldsäckel und schüttelten ein paar Scheine über die Betroffenen. Für die Kleinverlage, die die KNV-Insolvenz an den Rand ihrer Existenz brachte und darüberhinaus, war kein „Sterntaler“ verfügbar. Es gab ein paar Brosamen durch die VG-Wort,  aber diese waren ebenso zufällig und sind nachwievor umstritten.

    Das liegt daran, daß jenseits aller Zusammenschlüsse es unter den Literaturschaffenden in der ganzen Nahrungskette keine Solidarität gibt. Warum auch. Wer durchkommt, also oben an-, dem scheint es gut genug zu gehen. Aber wer kommt schon durch, wenn selbst Großschriftsteller Zweit- und Drittjobs brauchen, weil man nicht einmal von Belletristik wirklich auf Dauer leben kann.

    Es stellt sich die Frage, was die deutsche Literatur jenseits der explodierenden Stadtschreibereien unserem Land wert sind. Wobei man bei dem, was man Literatur nennt, Unterschiede machen muss: Sachbuch und Belletristik (in Form des Romans) gehen einigermaßen. Die Lyrik und die kleinen Formen der Prosa gehen schlecht. Auch das Thema Drama und noch mehr Hörspiel sind am Tropf.

    Es gibt durchaus deutschsprachige Länder, in den mehr geschieht – was man auch gerade bei den Literaturpreisen bemerken kann. Das vergleichsweise kleine Österreich räumt gerade ab, die Tschechen wissen offentlich auch, wozu man Literatur fördert. Wir wissen es nicht, und das liegt nicht allein daran, dass Deutschland föderal organisiert ist. Es liegt vielmehr daran, daß wir ein Land der Dichter und Denker waren, aber schon lange keines mehr sind, wenn wir uns einmal umschauen, wer bei uns die Beststellerlisten dominiert.

    Das hat natürlich reale Gründe. Ein ganz wichtiger ist, dass Literatur keinen Platz für blanke Erbsenzählerei hat. Es geht nicht nur um Profit. Es geht um etwas Bedeutsames, nämlich darum, zu erfahren, wie es diesem Deutschland geht. Das lernen wir nicht allein aus Umfragen. Das erfahren wir aus der Feder unserer Autor*innen, dem Theater und aus der Bildenden Kunst. Und hier geht wenigstens der ersten Säule saumäßig – und zwar in der Form von schlecht.

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