Alpenparlando

    Beat Brechbühl, Gedichte für Frauen und Balsaminen, Waldgut-Verlag, Frauenfeld (Schweiz) 2006, 2. Auflage 2007, 48 Seiten, CHF 30,00, Bodoni-Druck 29, ISBN 978-3-03740-357-0

    Beim Besuch von „Luzern bucht 2014“, die ich am 20. bis 23.03.2014 zur Vorstellung meines Lyrikbandes „Die dunkle seite der nacht“ zusammen mit meinem Verleger Michael Fischer besuchte, lernte ich auch den Schweizer Verleger, Buchdrucker und Lyriker Beat Brechbühl, einen Epigonen der deutsch-schweizer Dichtung nach dem 2. Weltkrieg kennen. Der Dichter ist ein freundlicher alter Herr, der es als guter Alemanne selbstredend faustdick hinter den Ohren hat.

    Als ich ihn fragte, welches Büchlein seines Verlages, der sich zusammen mit seiner Buchdruckerei Bodoni, die sich der alten Offsetdruckkunst verschrieben hat, er mir empfehlen könne. Ich habe dann zum Austausch eine Asphaltspuren Ausgabe geholt. Danach traf ich nur noch seine junge Mitarbeiterin an, der Autor selbst war unterwegs und, wie ich von weitem sah, im Gespräch vertieft. Ich stellte der jungen Dame die gleiche Frage und bekam die gleiche Antwort. Es handelte sich um das Bändchen, das ich hier bespreche.

    Das Schönste an diesem Büchlein ist die liebevolle Ausstattung. Schon Druck und Band, die ganze Verarbeitung sind es wert, das Werk zu erwerben und mit den Fingerkuppen taktil zu erfahren. Wie armselig kommt da ein E-Book daher! Nun bestreitet niemand, dass ein E-Book am Strand die bessere Wahl ist. Aber Lyrik ist ja auch nichts für Badeurlaube. Es sei denn, man genießt die Landschaft dabei im Kaffee, auf der Piazza in Locarno oder auf dem Balkon und der Veranda. Ähnlich geht es einem, wenn man das Bändchen dann öffnet und den durch die Druckfarbe auf gutem Papier kaum spürbaren Erhebungen bei den Lettern nachfahren kann. Das Pixel-Lasern der kleinen Auflagen, die ja fast alle im Print-On-Demand-Verfahren hergestellt werden, nimmt schon ein Teil dieses Vergnügens weg, den man zudem sogar riechen kann.

    Doch auch der Inhalt, der einen Überblick über das Schaffen von 1969 bis zum Erscheinungsdatum gibt, kann sich lesen lassen. Der Dichter thematisiert Frauenschicksale und die Liebe zu ihnen in ebenso feinfühliger wie hingebungsvoller Weise. An einigen Stellen wird sein Dichten hoch politisch. Hier merkt man, dass er in der Tradition Erich Frieds steht.

    Besonders authentisch und gelungen sind sein kurzen Gedichte. Wenige Lyriker verfügen über die Fähigkeit, Erkenntnisse, Gefühle und Situationen größtmöglich zu verdichten. Beat Brechbühl hat sie, wie das Gedicht „Silence intime“ zeigt, das man auf dem Innenfalz des Einbands und auf S. 14 findet:

    Ich höre
    eines deiner Haare
    auf den Teppich
    fallen.

    Netfinder:
    www.waldgut.ch
    http://de.wikipedia.org/wiki/Beat_Brechb%C3%BChl

    Weltweitweb, im August 2014

    Walther

    Similar Category Post

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.