Wortspiele. Verdichtet.

    Armin Steigenberger, gebrauchsanweisung für ein vaterland, POP-Verlag, Ludwigsburg 2006, ca. 90 Seiten, ISBN 33-937139-21-4

    Der vorliegende Lyrikband überzeugt durch seine enorme sprachliche Dichte. Es ist enorm, was der Autor aus Worten und deren Veränderung und Verfremdung für Effekte zu erzielen vermag. Allerdings ist das Lesen der Werke zugleich ein hartes Stück Arbeit, weil erst aus den Verästelungen der Hirnwindungen und deren Nachzeichnen der Sinn der Texte erschlossen werden kann.

    Wer ein schnelles Lyrikerlebnis sucht, ist also bei diesem Gedichtband schlecht beraten. Die Texte sind etwas für sprachverliebte Gedichtsfexe mit einem ausgeprägten Sinn für semantische Spielereien. Ohne eine ausgeprägten eigenen Wortschatz beim Leser, der sich bis in das neue Denglisch aus der Internetterei zieht, der die Sprache moderner Werbung aufgreift, wird sich mancher schmunzelnde Wortschatz aus den Gedichte kaum heben lassen. Einige Zitate aus den Gedichttiteln mögen als Beispiele gelten:

    „dichterklausel – deutschlärm – rubrikbürger – specal infect – retourweltspiel“

    Viel Platz nimmt die Verarbeitung des Sichbewußtwerdens der deutschen Sprache und des neuen schwarzrotgoldenen Patriotismus, bei dem der Autor selbst nicht so ganz genau für sich weiß und entschieden hat, ob der Sache nun zu trauen ist oder nicht. Jedenfalls sind manche der Werke durchaus lesenswerte Beiträge zu diesem Thema im Speziellen und zu dem, was Sprache ist, im Allgemeinen.

    Gibt es Kritisches? Nun, wo gibt es das nicht. Der Autor nimmt sich als eine Gedichtform besonders des Sonettes an. Das ist an und für sich erst einmal durchaus lobenswert. Ein ganzer Zyklus, der nicht überraschend den Titel des Bandes aufnimmt, ist in dem Band enthalten, immerhin elf Beiträge.

    Das mit der Form ist immer dann ein gefährliches Spiel, wenn man sich nicht an die Formalia hält, die diese vorgibt. Überwindung und Weiterentwicklung sind eine Anforderung, die nur der wirklich leisten kann und versuchen sollte, der sie, die Vorgabe, wirklich souverän beherrscht. So richtig kann bedauerlicherweise die Notwendigkeit der einen oder anderen Metrenverzerrung nicht nachvollzogen werden. So sehr die Sprache des Autors wirklich innovative Elemente gerade im Sonett entwickelt und diese Gedichtform damit erweitert und in das Heute hinüberträgt, so wenig kann eigentlich das zum Teil mächtige Holpern nachgesehen werden, eben weil es ohne Not geschieht. Wobei man durchaus an den meisten Sonetten sehen kann, dass er Sonette wirklich schreiben kann, der Armin Steigenberger.

    Empfehlung? Ja, das ist ein Kauf für den, dem Sprachspiele und deren intelligente Verballhornung Spaß bereiten. Ob er danach eine Gebrauchsanweisung für sein Vaterland hat, muss der Leser selbst entscheiden.

    Netfinder: http://www.pop-verlag.com (POP-Verlag) – http://www.wortbewegung.de (Webseite Armin Steigenberger)

    Weltweitweb, 18.02.2007

    Walther

     

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