Kunst darf nichts kosten – Metzingen ohne Medienakademie?

    Kommentar von Walther

    Dass das Mediencafé der Medienakademie Metzingen (MAMetz) erst seit 12 Monaten besteht, vermag man kaum zu glauben. Das Ehepaar Zecher hat es geschafft, dass ihr Café am zuvor verwaisten Bahnhofsvorplatz eigentlich nicht mehr wegzudenken ist. Schon aus dieser Einschätzung kann man erkennen, dass die MAMetz und ihr Café eine Lücke schließen, Bedarfe decken, die schon immer existierten, die man bisher nur nicht im Blick hatte.

    Seitdem die MedienhWalther_fertig_zensiertochschule Metzingen in Richtung Schwäbisch-Hall verlassen hatte, gab es ein ähnliches Angebot de facto nicht mehr. Einzig der Hirsch mit dem Kulturverein „Zum Beispiel Glems“ im Teilort Glems und der „Kunstraum Metzingen“ im ehemaligen Schreyer-Gebäude wirken partiell in diese Richtung. Sicherlich sind damit nur die bekannteren Initiativen und Aktionen aufgezählt – von denen aber keine die Strahlkraft des Mediencafés hat, wenn wir ehrlich sind.

    Hinzu kommt, dass mit der Gaststätte Turnhalle eine weitere Gastwirtschaft mit Veranstaltungsraum – dem berühmten „Nebenzimmer“ – im direkten Umfeld zugemacht hat. Es fehlt also auch an erschwinglichen Veranstaltungsräumen, weil die anderen vorhandenen meist schon belegt oder z.B., da ohne Bühne und entsprechende Technik, nicht geeignet sind.

    Thomas Zecher, der zugleich in den Räumen auch seinen lokalen Fernsehsender „Ermstal-TV“ betreibt, hat mit seiner Frau Petra, einer bildenden Künstlerin, und einigen Mitstreitern in Eigenregie und -arbeit die Räume der ehemaligen Deutsche Bank Filiale in Metzingen komplett umgestaltet und neben seinem Schneide- und Produktionsraum das Mediencafé als Begegnungs-, Veranstaltungs- und Versammlungsraum eingerichtet – alles in privatem Engagement. Zuschüsse von irgendeiner Stelle gab es bisher nicht.

    In den Räumen des Mediencafé wurde auch das Projekt zugetextet.com, das ähnlich privat finanziert wird und ohne Gewinnerzielungsabsicht arbeitet, der Öffentlichkeit vorgestellt. Inzwischen haben wir mit unseren Projekten „Walthers Anthologie“ und der Erstausgabe unseres Magazins drei Lesungen und zwei Pressegespräche veranstaltet, das dritte Pressegespräch und die vierte Lesung zur Vorstellung unserer Magazin-Ausgabe Nr. 1 /2016 sind in Planung. Wenn wir einmal offen und ehrlich sind: Wir hätten nicht gewusst, wo wir diese Veranstaltungen hätten anders machen sollen. Und wenn, wie sich das abzuzeichnen droht, das Mediencafé seine Pforten schließen sollte, wüssten wir nicht, was wir dann machen sollten. Wir stünden vor dem Nichts, was unsere Lesungen anlangt.

    Schauen wir uns das MAMetz-Programm der vergangenen 12 Monate an, werden sich viele Metzinger Parteien, Organisation, Initiativen und Projekte ebenfalls fragen, wie sie ihre Arbeit weiterhin gestalten sollen, wenn es das Mediencafé nicht mehr gibt. Nun könnte man laut ausrufen: Das Mediencafé darf nicht sterben! Und es dabei bewenden lassen.

    Ganz so einfach sollten wir es uns nicht machen. Vielmehr sollten wir ernsthaft die Überlegung anstellen, ob es für eine solidarische Bürgergesellschaft einer Großen Kreisstadt wie Metzingen nicht eine wichtige Säule im Stadtleben und ein Ausdruck von angemessener Standort- und Lebensqualität wäre, eine Einrichtung, wie sie das Ehepaar Zecher ins Leben gerufen hat, ihr Eigen zu nennen.

    Wäre Metzingen nicht sehr arm dran, wenn das Mediencafé nicht mehr bestünde? Würde es nicht ein schlechtes Licht auf unsere Stadt werfen, wenn wir diese Initiative nach einem insgesamt erfolgreichen ersten Jahr einfach sang- und klanglos scheitern ließen?

    Nun ist es ein offenes Geheimnis, dass Kunst zumeist brotlos ist. Mit Kunst und Kulturförderung lassen sich bis auf wenige Ausnahmen, die die Regel nicht außer Kraft setzen, keine kostendeckenden Einnahmen einwerben. Entweder, man selbst schießt aus eigener Kasse zu, wie das der Herausgeber von zugetextet.com und viele andere Privatleute mit ihren Projekten tun, oder man gewinnt Sponsoren oder Spender, die aus ihrer Verantwortung heraus Kunst und Kultur finanziell fördern, und/oder die Kommune hat ein Einsehen und schließt sich im Förderverein der Medienakademie und im gewissen Umfang auch durch einen zweckgebundenen Zuschuss der Initiative an.

    Wer nicht über die nötigen Eigenmittel verfügt, braucht also finanzielle Zuwendungen Dritter. Das ist beim Ehepaar Zecher der Fall.

    Die Metzinger Medienakademie ist inzwischen so weit gereift, dass das Projekt seine Berechtigung und seine Notwendigkeit nachhaltig belegt hat. Jetzt sollte Metzingen selbst – und mit ihm seine Bürgergesellschaft – das Seine tun, um diese wunderbare und absolut notwendige Initiative, die man erfinden müsste, wenn es sie nicht schon gäbe, für die Zukunft abzusichern.

    Das Mediencafé und das Ehepaar Zecher haben sich diese Unterstützung verdient. Und Metzingen würde als Standort besonderer Lebensqualität am Ende viel gewinnen.

    Anmerkung der Redaktion: Das Magazin zugetextet.com spendet einen Euro je verkauftes Exemplar der Nr. 1 /2016 für den Erhalt des Mediencafé in Metzingen. Wir werden weiter über die Entwicklungen berichten.

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