Photo einer Performance

04.10.2020 – 17.01.2021 Opelvillen: Kunst für Tiere. Ein Perspektivwechsel für Menschen

    »Tiere haben ihren eigenen Blick auf die Welt. Die Welt mit ihren Augen zu sehen, bereichert das Leben und lässt einen selbst die Dinge anders wahrnehmen. Gewöhnlich gehen Menschen auf Reisen, um ihren Horizont zu erweitern, neue Erfahrungen zu sammeln, neue Kulturen zu entdecken. Dabei lassen sich unendlich viele dieser Kulturen direkt um die Ecke aufstöbern: Ameisen, Katzen, Hasen, Kühe – je nachdem, wo man lebt.«
                                                                           Eva Meijer, Die Sprachen der Tiere

    Ein wichtiger Teil unseres Lebens sind Tiere. Sie sind unsere ältesten Begleiter, unsere Ernährer, aber auch Spielgefährten. Aufkommende Tendenzen, wie die Diskussion über eine weniger anthropozentrisch ausgerichtete Welt, führen dazu, dass auch in der bildenden Kunst neue Wege zum Tier gesucht werden. Die Ausstellung »Kunst für Tiere« stellt Künstlerinnen und Künstler vor, die sich aktuell dem Tier zuwenden, zum einen, um sich näher mit den Beziehungen zwischen Mensch und Tier zu beschäftigen und zum anderen, um einfach ihre Tierliebe auszudrücken.

    Das Duo Krõõt Juurak (geb. 1981) und Alex Bailey (geb. 1987) beispielsweise produziert mit ihren Performances for Pets wortwörtlich Kunst für Tiere. Das Künstlerpaar performt nicht für ein menschliches, sondern tierisches Publikum. Seit über sechs Jahren bieten sie performative Situationen für Katzen, Hunde und andere Haustiere an. Ihre Darbietungen für Katzen finden gewöhnlich im Haus der Vierbeiner statt. Im Vorfeld der Ausstellung »Kunst für Tiere« performten Juurak und Bailey bereits im August für Haustiere in Rüsselsheim und Umgebung. Katzen wurden besucht und Hunde eingeladen, in die Opelvillen zu kommen. Diese filmisch festgehaltenen Performances werden Teil der Schau ab Oktober sein.

    Die Auseinandersetzung mit dem Mensch-Tier-Verhältnis ist in der zeitgenössischen Kunst vielfältig und unterschiedlich. Künstlerinnen wie Sanna Kannisto (geb. 1974) und Gabriele Muschel (geb. 1941) werden zu visuellen Forscherinnen, die Tiere in entlegenen Gebieten aufspüren. Resultate sind neue Bildräume und Bildfindungen. Schafft Kannisto im Regenwald einzigartige Bühnengebilde für ihre Tierminiaturen, wandelt Muschel ihre Fotografien von Affen im heimischen Atelier zu Porträtzeichnungen voller Individualität. Jedes Porträt unterscheidet sich von dem anderen und zeigt Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Gesichtszügen und Merkmalen.

    Das ambivalente Verhältnis von Mensch und Tier spielt bereits in frühen Arbeiten von Rosemarie Trockel (geb. 1952) eine besondere Rolle. »Jedes Tier ist eine Künstlerin«, lautet 1993 ihre Botschaft. Auch wenn sie damit dem berühmten Ausspruch »Jeder Mensch ist ein Künstler« von Joseph Beuys entgegentrat, ist eine Wertschätzung des Tieres impliziert. Im gleichnamigen Künstlerbuch veröffentlichte Trockel Porträts ihres Hundes mit einer liebevollen Widmung.

    Tiere werden von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern als ästhetische Wesen begriffen, ernst genommen und neu gedacht. Die Hinterfragung der absoluten Trennung von Mensch und Tier könnte neue Perspektiven der Koexistenz der Arten aufzeigen. Dass das künstlerische Engagement für Tiere auch humorvoll sein kann, spiegelt sich nicht nur in den Ausstellungsexponaten, sondern auch im Vermittlungsprogramm der Opelvillen. Das Führungsangebot der Ausstellung »Kunst für Tiere« richtet sich nicht nur an Menschen, sondern es werden auch Führungen für Hunde mit ihren Besitzern stattfinden.

    Die Ausstellung »Kunst für Tiere« wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert. Gleichzeitig ist sie Teil der Kooperation ARTENTREFFEN entlang der S-Bahnlinie 8 mit dem Deutschen Ledermuseum in Offenbach am Main und dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden. ARTENTREFFEN wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

    Kuratorin: Dr. Beate Kemfert, Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim Ausstellungsdauer: 4. Oktober 2020 bis 17. Januar 2021 Eintritt: 8 €, ermäßigt 6 €, Familienkarte: 12 €, freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre und Mitglieder des Freundeskreises der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim Ort: Opelvillen, Ludwig-Dörfler-Allee 9, 65428 Rüsselsheim Öffnungszeiten: Sa. 14–18 Uhr, So. 10–18 Uhr Offenes Haus: Jeden ersten Donnerstag im Monat 14–20 Uhr, freier Eintritt bis 19 Uhr, 8. Oktober, 5. November, 3. Dezember, 7. Januar Sonderöffnungszeiten: 1. Weihnachtsfeiertag, Freitag, 25. Dezember 2020, 2. Weihnachtsfeiertag, Samstag, 26. Dezember 2020, jeweils 10–18 Uhr mit öffentlicher Führung um 15 Uhr und Neujahr, Freitag, 1. Januar 2021, 12–18 Uhr

    Künstler*innen der Ausstellung: Roger Ballen, Dominika Bednarsky, Ursula Böhmer, Björn Braun, Marcel Broodthaers, Sophie Calle, Mario Cravo Neto, Valie Export, Parastou Forouhar, Ulrich Gebert, Roni Horn, Luzia Hürzeler, Maria Jauregui Ponte, Krõõt Juurak & Alex Bailey (Performances for Pets), Sanna Kannisto, Esko Männikkö, Gabriele Muschel, Simona Pries, Maximilian Prüfer, Inge Rambow, Rosemarie Trockel, Timm Ulrichs, William Wegman

    Publikation: Zur Ausstellung erscheint im November 2020 die Publikation in Form einer Zeitung im Verlag Hartmann Books Stuttgart, herausgegeben von Dr. Beate Kemfert
    Preis: 3,00 €

    Die Pressemitteilung der Openvillen haben wir
    mit kleineren redaktionellen Änderungen übernommen.
    Wir wünschen der Ausstellung viel Erfolg und einen guten Besuch.
    Die Redaktion.

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