Flächenbrände und Flickenteppiche – Quo vadis Kulturstaat?

    von Oliver Bruskolini

    Die Not macht erfinderisch. AutorInnen halten Onlinelesungen, VerlegerInnen liefern Bücher persönlich aus, neue digitale Projekte entstehen. In einigen Bereichen lässt sich sicher über einen Kreativitätsschub sprechen. Dennoch fühlen sich viele Kulturschaffende in der aktuellen Lage im Stich gelassen.

    Unsere Autorin Marlies Blauth schrieb vor wenigen Tagen einen Gastartikel für die Revierpassagen, in dem sie ihre Erfahrungen mit der Soforthilfe für KünstlerInnen in NRW schilderte. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen: es zeigen sich katastrophale Zustände. Eine klare Leseempfehlung!

    Wieso schafft es ein derart finanziell stabiler und angeblich auf Kultur fixierter Staat wie Deutschland nicht, seine kulturellen Akteure abzufedern? Natürlich lässt sich festhalten, dass derzeit ein Flächenbrand tobt und die Löschung des Feuers an verschiedenen Stellen nur zu einem – Achtung, eines meiner persönlichen Unwörter des Jahres – Flickenteppich führt. Wer an jeder Stelle einen Eimer Wasser vergießt, um dann zur nächsten, entfernten Stelle zu hasten, der wird den Brand nicht löschen.

    Dafür haben sicher die meisten Akteure Verständnis. Das Problem ist nur, dass Zusagen gemacht werden, die am Ende nicht eingehalten werden. Die Politik verspricht Hilfe. Die Akteure erhoffen sich einen Strohhalm. Am Ende ist es ein seidener Faden. Die Fonds reichen nicht für alle, Kredite sind schön und gut, müssen aber abbezahlt werden. Und in einem derart schwankenden Feld wie der Kultur ist es als vergleichsweise kleiner Akteur schon schwierig genug, ohne Krisen überhaupt das kommende Halbjahr sicher zu planen. Es gleicht einem russischen Roulettespiel, einen solchen Kredit aufzunehmen.

    Einen interessanten Ansatz zur Soforthilfe hat Großbritannien gewählt, um den Buchmarkt zu entlasten. In Anbetracht der Isolation und dem steigenden Bedarf nach Lesematerial hat die Regierung die geplante Nullsteuer auf digitale Bücher vom Dezember auf den Mai vorgezogen. Im Vergleich: Der Steuersatz in Deutschland liegt bei 7%.

    Hier ließe sich nun eine ökonomische Grundsatzdebatte um Nachfrage- und Angebotsorientierung entfachen. Fakt ist aber, dass digitale Publikationen durch den vergünstigten Preis interessanter für die LeserInnen werden. Davon profitieren auch die Verlage, denn die durch die Pandemie teils überlasteten Lieferketten fallen weg und die Herstellungskosten für E-Books sind weitaus geringer als die der Printexemplare.

    Dem Buchmarkt in Deutschland wäre mit einem solchen Erlass – wenn auch nur vorübergehend – vielleicht geholfen. In jedem Falle wäre es aber ein Schritt, der zeigt, dass man sich Gedanken macht, eine Handlung, die auf ein Versprechen folgt.

     

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    Ein Gedanke zu „Flächenbrände und Flickenteppiche – Quo vadis Kulturstaat?“

    1. Oh, da gibt es noch viel mehr Aussagen, die das Zeug zum Unwort des Jahres hätten ;). Ich habe gesammelt:

      – Corona-Krise
      – Corona-Hilfe
      – Corona-Virus
      – Corona-Test
      – Corona-Behandlungszentrum
      – Corona-Alltag
      – Corona-Kampf
      – bewusst genießen
      – solidarisch sein
      – verwaiste Spielplätze
      – Sprachlosigkeit
      – Rückkehrer
      – Klopapier-Run
      – Krise bewältigen
      – Pandemie
      – Mutmacher
      – entbehrungsreich
      – Alltag komplett auf den Kopf gestellt
      – Beschränkung der Freiheit
      – Schutzmasken
      – Beatmungsgeräte
      – beispielloser Rettungsschirm
      – Ausgangssperre
      – Triage
      – Mietverzicht
      – finanzielle Barrieren
      – häusliche Quarantäne
      – Ansteckungsgefahr
      – Hamsterkäufe
      – Grenzen sperren
      – Landesweite Beschränkungen
      – Not-Lazarett
      – Hotspot
      – Rückholaktion
      – Luftbrücke
      – Kontaktverbot
      – Kontaktbeschränkung
      – Beatmungskapazitäten
      – Epizentrum der Epidemie
      – Menschen rücken zusammen
      – RKI
      – Covid-19
      – SARS-CoV-2
      – Intensivkapazitäten
      – Geisterspiele
      – Shut-down
      – Rezession
      – die schlimmste Zeit nach dem Krieg
      – Hilfsprogramme
      – drohende Pleitewelle
      – gelähmte Wirtschaft
      – Schutzmaßnahmen
      – Sicherheitsabstand
      – moderne Piraterie
      – soziale Distanzierung
      – Exit-Strategie
      – Herdenimmunität
      – Risikogruppe
      – Stillstand
      – häusliche Gewalt
      – keine Blaupause für die Krise
      – Marshall-Plan
      – Kasernierung der Mitarbeiter
      – Fallzahlen
      – Flickenteppich
      – systemrelevante Jobs
      – Schulbuskonzept
      – Diskussionsorgien
      – Neue Normalität
      – Alternativen für Klopapier
      – Klopapier-Rechner
      – Lockerungsübungen
      – Hammer- und Tanz-Szenario
      – verseuchte Grundrechte
      – Reproduktionsrate
      – atmende Strategie

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