Drei Kilometer – Nadine Schneider überzeugt mit authentischer Auf- und Ausbruchstimmung

    von Oliver Bruskolini

    Die Auswertung für Das Debüt 2019 läuft auf Hochtouren und mit Nadine Schneiders Drei Kilometer erscheint an dieser Stelle die dritte zugetextet-Rezension für den diesjährigen Bloggerpreis.

    Nadine Schneider, Drei Kilometer, Roman, Jung und Jung, Salzburg und Wien 2019, ISBN 978-3990272367, gebunden, 160 Seiten, 20,00€.

    In ihrem Romandebüt Drei Kilometer erzählt Nadine Schneider die Geschichte der jungen Anna in der Endphase des kommunistischen Rumäniens. In drei Teilen porträtiert sie die Gesellschaft, die Protagonisten und die Auf- und Ausbruchsstimmung im deutschsprachigen Rumänien um 1989.

    Anna liebt Hans. Trotzdem entwickelt sie Gefühle für den gemeinsamen besten Freund Misch, der so ziemlich das Gegenteil von Hans darstellt. Diese eher klassische Liebesgeschichtenkonstellation umrahmt Nadine Schneider mit einer historisch und gesellschaftlich relevanten Handlung: dem Untergang des kommunistischen Rumäniens.

    Während Anna, Hans und Misch sortieren müssen, was für sie wirklich wichtig ist (Familie, Liebe, Freiheit, Heimat, um einige Kernbereiche zu nennen), beschreibt die Autorin das mühsame Leben in der deutschsprachigen rumänischen Region unter der Regentschaft von Nicolae Ceausescu.

    Wir warteten fast eine halbe Stunde, während mehr und immer noch mehr Menschen auf den Platz strömten. Vor der Oper wurde weiter geklatscht und gerufen, doch dort, wo wir standen, war es beunruhigend still. Immer wieder drehten die Leute die Köpfe, als würden sie jemanden suchen, aber in unseren Reihen war keiner von der Miliz zu sehen. Zumindest keiner, der sich zu erkennen gab.

    Drei Kilometer ist der Titel des Romandebüts und die Entfernung, die die drei jungen Protagonisten eines Abends von der Grenze und damit der Freiheit trennen. Es entsteht ein teils innerer, teils äußerer Kampf um Werte, Träume und Verpflichtungen.

    Nadine Schneider schafft es, einen authentischen Roman vorzulegen, der stringent erzählt ist und ein nachfühlbares Bild der damaligen Verhältnisse zeichnet. Sie greift das ungebrochen aktuelle Themenfeld der Flucht auf, zielt gleichzeitig aber auch auf die Spannungsfelder des Erwachsenwerdens. Drei Kilometer überzeugt durch Authentizität und Relevanz.

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