Petition „Der Lyrik eine Bresche – für ein Gedicht je Ausgabe“

    Kurzlink Petition

    Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V.
    Haus der Presse
    Herr Dr. Martin Döpfner, Präsident
    Markgrafenstraße 15

    D-10969 Berlin

     

    Metzingen, den 18.09.2017

    Petition „Der Lyrik eine Bresche – für ein Gedicht je Ausgabe

     

    Sehr geehrter Herr Dr. Döpfner,

    vor fast genau zehn Jahren, im Jahr 2007, hat der Unterzeichner mit dem Essay „Der Dichtung eine Bresche schlagen – Warum Lyrik wieder in die Zeitungen gehört“ dazu aufgefordert, der heutigen Poesie wieder einen Platz in den Feuilletons deutscher Zeitungen, Magazine und Zeitschriften zu geben – wie dies früher üblich war. Es gehört zur Verantwortung des Verlegers, nicht nur kommerzielle Erwägungen als Leitlinien für die Geschäftspolitik heranzuziehen; die Förderung von Kunst und Literatur gehörte immer dazu.

    Nun ist es müßig, in solchen Fällen auf die inhaltliche Zuständigkeit von Herausgeber und Redaktion zu verweisen. Der Platz in einer Ausgabe war und ist rar. Und natürlich führt die Veränderung des Werbe- und Anzeigenmarktes zu einer Ausdünnung der Ausgaben – der rare Platz wird weniger.

    Am Ende dreht es sich um die Frage der Prioritäten. Literatur, insbesondere ihre verdichtetste Form, die Lyrik, ist immer ein guter Gradmesser für gesellschaftliche Befindlichkeiten. Es ist daher eine große Verarmung, wenn sich eine Öffentlichkeit, und das im Lande der Dichter und Denker, in ihrer Breite so gut wie gar nicht für die aktuelle Poesie interessiert. Nun kann man sagen, sie taugte nichts. Aber das ist zu einfach. Was man nicht kennt, kann man nicht bewerten. Ohne Vermittlung, und da sind wir bei der oben beschriebenen Kernaufgabe der Presse, sei es als Print oder Online Produkt, kann Dichtung nicht breiteren Schichten vermittelt werden.

    Es ist ein Armutszeugnis, wenn wir heute in Buchhandlungen neben den Bestsellern nur noch die Klassik vorfinden: Goethe, Schiller, ein bisschen Hesse und ein wenig Rilke. Die aktuelle, die moderne Lyrik findet de facto nicht statt. Ein Buchhändler verkauft, was man bei ihm nachfragt. Nachfragen kann man nur, wenn man weiß, dass es etwas gibt. So schließt sich der Kreis.

    Es war einmal gute Tradition, in jeder Ausgabe eines Feuilleton wenigstens ein Gedicht einer aktuellen Poetin oder eines jungen Poeten zu präsentieren, meist mit einem kleinen Rahmen darum und dem Verweis auf den Band, in dem das Werk erschien. Im Feuilleton selbst wurde nicht nur Belletristik und Sachbuch besprochen, es gab auch immer wenigstens einen Gedichtband. Es gibt keinen wirklichen Grund, an dieser Tradition nicht wieder anzuknüpfen.

    Wir haben uns die Freiheit genommen, mit dem heutigen Tag eine Petition an Sie unter https://www.openpetition.de/petition/online/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung zu veröffentlichen. Ab heute kann unterschrieben werden. Es würde uns freuen, wenn Sie selbst dieser Petition mit Ihrer Unterschrift Nachdruck verleihen und mit den Organen Ihres Verlagshauses vorangehen würden. Die deutschsprachige Poesie und die vielen, die sich ihr verschrieben haben, werden es Ihnen danken.

    Es liegt an Ihnen und den Verlegern aus Ihrem Verband, dieser Idee den nötigen Rückenwind zu geben. Sie würden der modernen deutschen Lyrik einen großen Dienst erweisen und zeigen, dass es bei Ihren Presseobjekten um mehr geht als um Geschäftsinteressen. Kultur braucht Förderer. Die junge und die aktuelle deutschsprachige Poesie hätten Ihre Förderung verdient.

    Ich freue mich auf Ihre Nachricht und wünsche Ihnen und uns, dass im Land der Dichter und Denker die Lyrik wieder die Rolle erhält, die sie verdient. Die Dichter schreiben, die vielen engagierten Kleinverlage machen wunderbare Bücher. Wenn Sie mithelfen und dieses wichtige Anliegen, werden wir alle davon einen Nutzen haben: Dichter, Denker, Verleger, Leser – und die deutsche Literatur.

    Mit herzlichen Grüßen

    – Redaktion zugetextet.com –

    Feuilleton für Poesie-Sprache-Streit-Kultur

    Walther, Herausgeber

    Bitte besuchen Sie uns unter: http://www.zugetextet.com – wir freuen uns auf Sie!

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    16 Gedanken zu „Petition „Der Lyrik eine Bresche – für ein Gedicht je Ausgabe““

    1. Eine vorzügliche Initiative, der ich mich gern anschließe und für die ich werben werde.
      Erlauben Sie die Korrektur eines Schreibfehlers: Im zweiten Absatz muss im ersten Satz ‚wenn‘ gestrichen werden.

      1. Danke, liebe Rosemai,
        das wird nicht die letzte Aktion von zugetextet.com sein – wir bereiten 10 Jahre Walthers Anthologie vor. Es wird Zeit, für die Poesie die Welt ein wenig zu bewegen.
        Herzl. Gruß
        Für die Redaktion
        Walther, Herausgeber

    2. Ja, eine sehr gute Idee!
      Die Lyrik wird sonst immer mehr zum Stiefkind der Literatur, was ich sehr schade finde. Und dann hoffe ich, dass die Redaktionen auch neue, noch nicht etablierte Lyriker zum Zuge kommen lassen, dort gibt es viele Talente, wie unser jüngster Literaturwettbewerb zeigte; durchgeführt von die „Die Gruppe 48“ (ca. 200 Lyrikbeiträge).

      1. In der Tat ist die zeitgenössische Lyrik ein unbekanntes Wesen. Un das wollen wir ändern mit unserer Petition. Werbung tut Not!.
        Uns unter #DerLyrikEineBresche @ZugetextetCom folgen und die Petition „liken“. Viel hilft viel.
        Viel Erfolg bei Ihrem Wettbewerb. Bitte einen Bericht vom Ergebnis senden – zugetextet.com berichtet gerne. So kann das Siegergedicht bei uns unter „Gedicht des Monats“ erscheinen!
        Die Redaktion.

    3. Ja, ich finde das eine gute Initiative.
      Die Möglichkeiten der Sprache nutzen, heißt Denken und Denken anregen, Empfindungen einen Ausdruck geben, das Unbewusste erspüren. Dem „Versteckten“ einen Platz geben.

      1. Danke für den Zuspruch. Das war der Hintergrund der Idee.
        Erfolg haben wird sie nur, wenn sich viele dafür verwenden. Es muß eine deutlich vierstellige Zahl an Unterschriften zusammenkommen, damit das ernstgenommen wird. Jede Mithilfe ist daher mit Dank angenommen!
        #DerLyrikEineBresche: so nennen wir diese Aktion auf Twitter. Danke an jeden, der hilft, teilt, retweetet und unterschreibt.
        Lieber Gruß zugetextet.com Redaktion

    4. Rechtschreibfehler: vorangeben würden

      Damit fliegt man bei Jedem Lyrik-Wettbewerb aus dem Rennen.
      Wie auch mit dem gesamten Text. Da reimt sich nichts.
      Versuchen Sie mal, Ihren Text zu singen!
      Hätten Sie doch nur ein Gedicht geschrieben!

      1. Liebe Frau oder lieber Herr Fischer,
        danke für Ihren Hinweis. Der Mensch macht Fehler, es ist und tut gut, wenn andere helfen. Der Rechtschreibfehler ist draußen.
        Eine gereimte Petition ist eine tolle Idee – so sagt das immer unser Landesvater Kretschmann, wenn ein Mensch einen guten Vorschlag macht. Wir werden dran denken bei unserem nächsten Vorhaben. Sie dürfen gerne beim Reimen helfen.
        Unsere Petition ist auch eine tolle Idee. Und da wir Hilfe brauchen und Sie gerne helfen, freuen wir uns auf Ihre Unterschrift und danken dafür sehr herzlich im Voraus. Die Poeten würden Ihnen ebenfalls Danke sagen, die später etwas davon haben.
        Herzl. Gruß
        Ihre Redaktion zugetextet.com

    5. Im Regensburger Sozialmagazin „Donaustrudl“, einer sozialen Strassenzeitung, gibt es schon seit längerem in jeder monatlichen Ausgabe eine Seite, in jüngerer Zeit sogar eine Doppelseite Lyrik. Die Gedichte dort können sich mit vielen messen, die in Gedichteforen veröffentlicht werden. Das ist eine Rubrik, die ich immer mit Vergnügen lese. Die Themen sind häufig aus dem Leben und der Erfahrung gegriffen und so sehr authentisch. Das hat die Lokalzeitung leider noch nicht geschafft.

      Walthers Aufruf kann ich nur unterstützen. Gerade die Tagespresse wäre gut beraten, auch bald eine Lyrikrubrik anzubieten.

      Herzliche Grüße

      Herbert

      1. Das ist beispielhaft, lieber Herbert. Gibt es einen Link, den wir hier und in Twitter unter #DerLyrikEineBresche teilen könnten? Danke und herzl. Gruß Die Redaktion

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