Von Smileys und Südseekönigen

    Blogschrift Nr. 1

    Sprache ist in ständigem Wandel. Was früher noch der Backfisch war, ist heute ein weiblicher Teenager, der unterwegs dank Smartphone und der Internet-WeltsprachMarkus_fertig_zensierte „Emojis“ seinen neusten Tratsch durch Smileys twittern kann.
    Andererseits ist das Festhalten und Verbreiten von Ereignissen, eigenem Erlebten oder Träumereien anhand von Bildersprache viel, viel älter, als das Internet. Schon die  Steinzeitmenschen vor über 40.000 Jahren kommunizierten an ihren Höhlenpinnwänden, zum Beispiel über ihre Jagderfahrungen oder möglicherweise auch, wie zwei Gleichaltrige einen Meinungszwist mit der Keule klären. Meiner Meinung nach war auch das schon eine Art Literatur.
    Die Ägypter vor ca. 5000 Jahren taten hielten es mit ihren Hieroglyphen ähnlich. Sie fingen als reine Bildersprache an und bekamen erst nach und nach Konsonanten- und Sinnzeichen hinzu. Bis heute eines der umfangreichsten Schriftsysteme, welches Forscher auf der ganzen Welt heute begeistert zu entschlüsseln versuchen.

    Mich reizt das weniger. Mir reicht meine Muttersprache Deutsch, da sie mich doch des Öfteren an den Rand der Verzweiflung gebracht hat. Dabei fing alles friedlich an:
    In meinem ersten Lebensjahr lag es an meinen Eltern, wenn sie meine Bedürfnisse nicht gleich verstanden, so lange weinte ich eben. Dann begann sich langsam meine Wortschatztruhe zu füllen. Erst lernte ich Wörter wie „Mama“, „Papa“ oder „Eis“, später „Kindergarten“, „Mädchen“ und „Blöd“. Doch dann kam die Schule. „Blödmann“ zu sagen war das eine, wie man es richtig schreibt, das andere.
    „Ist doch ganz einfach“, meinte mein damaliger Sitznachbar und schrieb es auf einen Schmierzettel. Blötman.
    Aber was sage ich „Muttersprache Deutsch“? Meine Ausdrucksweise wurde über die nächsten Jahre hinweg von viel zu vielen Seiten beeinflusst, als dass ich sie als „reines“ Deutsch verkaufen könnte. Zum einen lernte ich in meiner Jugend viele Slang-Ausdrücke wie „krass“ und „Alter“, zudem schlichen sich immer mehr Anglizismen in meine Sprache und obendrein schnappte ich auch noch den badischen Dialekt auf. Eine Kombination, die meine Deutschlehrer und meine Eltern an den Rand der Verzweiflung brachte.

    Apropos Anglizismen. Da fällt mir eine kleine Anekdote ein, die ich unbedingt einbauen möchte: Ich war an einem Dienstag vor sechs Jahren in der Innenstadt unterwegs, als ich auf einer Kreidetafel eines Cafés Folgendes las: Coffee to go – jetzt auch zum Mitnehmen!
    Ich selbst bin kein Kaffeetrinker. Dafür trinke ich viel Tee. In der Tasse, lose aufgebrüht mithilfe eines kleinen Gegenstandes, der schon so manchem Kreuzwortrater Kopfzerbrechen bereitet hat. Ich spreche natürlich vom Teeei, dem für mich ulkigsten Auswuchs der deutschen Komposita.

    Doch der ständige Wandel der Sprache treibt noch andere seltsame Blüten, die nicht einmal vor der Kinderliteratur halt machen. So wurde zum Beispiel in Astrid Lindgrens Pippi in Taka-Tuka-Land der „Negerkönig“ kurzerhand zu einem „Südseekönig“, und in Otfried Preußlers Die kleine Hexe strich man die „Neger“, „Türken“ und „Chinamädchen“ einfach rigoros weg. Doch wäre es nicht vielleicht besser, wenn Eltern ihren Kindern anhand solcher aus der Mode gekommener Begriffe beim Vorlesen den Sprachwandel und die sich ändernden Wortbedeutungen erklären könnten?

    Im Grunde warte ich heute nur noch darauf, dass die ersten Bücher in „Emoji-Sprache“ geschrieben werden. Das wäre mir dann durchaus einen eigenen Beitrag für „Blogschrift“ wert. Ansonsten bis zum nächsten Mal.

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