John Grisham The Whistler

Gier frisst Recht – John Grishams The Whistler rezensiert

    von Walther

    John Grisham, The Whistler, Hodder & Stoughton, a Hachette UK Imprint, London 2017, ISBN 978 1 444 79913 2, Paperback, 407 S., £ 6,99
    Bestechung, aus dem Amerikanischen von Kristiana Dorn-Ruhl, Bea Reiter, Imke Walsh-Araya, Heyne Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-453-42243-8, Taschenbuch, 464 S., € 10,99 D / 11,30 (A)

    John Grisham, selbst Jurist, der seinen Beruf als Anwalt tatsächlich ausgeübt hat, spricht, wenn er über das US-amerikanische Rechtssystem schreibt, aus Erfahrung. Er kennt die Abläufe und Tricks, die verschiedenen Vorgehensweisen, die Verfahrensstrategie und -Taktik aus dem Effeff. Er hat alles gesehen – und danach in seinem langen Autorenleben noch all das über Recherchen dazugelernt, was er selbst nicht wusste. Dieses Wissen spürt und erfährt man als Leser in jedem seiner Bücher hautnah. Man spürt auch seinen großen Respekt vor der Bedeutung des Rechts und des es sichernden Rechtsstaats in jedem Text. Und wie sehr es ihn umtreibt, was die gelebte Praxis daraus macht.

    In diesem Text greift er die Bruchlinien der US-amerikanischen Gesellschaft in vielfacher Hinsicht auf. Da gibt zum einen die Native Americans, wie man das so schön nennt, die Indianerstämme, die in ihren Reservaten nur überleben können, wenn sie ihnen gewährten Recht, auf ihrem Gebiet Spielcasinos zu errichten, auch tatsächlich Gebrauch machen. Eine solche Lizenz schafft interne Friktionen in den Stämmen und ruft die Gier externer Investoren und Betreiber auf den Plan, deren Ziel, sich mit der Spielsucht eine goldene Nase zu verdienen, Anlass vieler Krimis ist.

    Dieser ist insofern speziell, als es um die Verstrickung einer Richterin in diesen Sumpf geht, deren Verbindungen und Reputation ein Schutzschild über Mord und Totschlag sowie das Beiseiteschaffen großer Mengen an Bestechungsgeld in Steueroasen und dessen Reinvestieren in den USA betreffen. Man lernt also nicht nur die Abgründe menschlicher Verwerflichkeit und Eitelkeit kennen, man erhält auch einen Grundlehrgang darüber, wie dreckiges Geld verschwindet und wiederauftaucht und versteht spätestens jetzt, warum es so wichtig, diese Steueroasen endlich trocken zu legen.

     

    Dass der Whistlerblower, die Heldin, die Agentin einer Behörde ist, die Bestechungen von Richtern aufklären soll und permanent unter Geldnot steht, die Gegner des Casino-Geschäfts im Indianerstamm usw. usf. eine gefährliche, lebensbedrohliche Reise durch die Verstrickungen haben, kann man bei einem Profi wie Grisham voraussetzen. Beschämend ist der über dem Ganzen schwebende Rassismus, der die Indianer bis in die Struktur der eigenen Jurisdiktion und Polizei als Menschen 2. Klasse behandelt. Grisham will, das ist in jedem seiner Romane nachlesbar, nicht nur unterhalten: Er will informieren. Und er will seine Leser*innen zu Veränderungen anstiften.

    Veränderung, das weiß er nur zu genau, fängt damit an, Bescheid zu wissen. Danach bedarf es des Gerechtigkeitsgefühls, des Muts und der Unterstützung Wohlmeinender. Allein kann man gegen das Verbrechen, das sich bis ins Herz des Rechts hinein gefressen hat, nicht gewinnen.

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