Ein paar Gedanken des Herausgebers

    – aufgeschrieben von Walther

    Eigentlich wollte ich mich entschuldigen, daß der Blog gerade eine etwas politische Schlagseite hat. Aber dann habe ich mir gesagt, warum eigentlich. Schließlich sind Literatur und Kunst so wichtig wie die Luft zum Atmen, also essentiell und systemrelevant. Sage ich mal, sicherlich nicht ohne sofortigen Widerspruch, auch den meiner Liebsten, gestern Abend. Ich habe ihr widersprochen, aber nur leise.

    Es wird also noch weitere Kommentare und Essays zur Lage geben, die auch die Lage von Künstlern, Verlegern, Theatermachern und -besitzern, kurz: allen, die sich mit Kunst und Kultur beschäftigen. Und die uns alle angeht, weil sie jede/n von uns persönlich betrifft. Seid solidarisch, hilfsbereit und veranwortungsbewußt und zeigt durch euer Beispiel, daß der Mensch gut sein kann und nicht böse, nicht egoistisch sein muß, selbst in einer existentiellen Krise.

    Ich werde mit einer Tradition brechen, wenigstens für den Moment, nämlich einzig und allein Literatur deutscher Sprache zu behandeln. Morgen erscheint die erste Rezension eines anspruchsvollen englischen Buchs. Wir besprechen das Original – in Deutsch, keine Angst. Besondere Zeiten erfordern besonderes Handeln.

    Wir denken auch darüber nach, Lesungen zu streamen anstatt sie physisch wie gehabt durchzuführen. Wenn wir so weit sind, werden wir es euch berichten, auf allen Kanälen, die wir bespielen. Es könnten danach ein paar mehr sein als bisher. Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen und Werkzeuge. Aber das schrieben wir ja schon.

    Bleibt gesund, Ihr Lieben da draußen vor den Bildschirmen. Ihr werdet noch gebraucht. Von uns beispielsweise.

    Und das ist doch schon mal was.

     

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    3 Gedanken zu „Ein paar Gedanken des Herausgebers“

    1. Hallo,

      oh ja, im Moment sind Kunst und Literatur wichtiger denn je! Ich treibe mich auf vielen Literaturblogs und in vielen Kunst-Communities herum. Die Menschen sagen immer wieder, wie dankbar sie für Kunst und/oder Literatur sind – nicht nur für die Ablenkung sondern auch für das Ventil für die eigenen Emotionenen.

      Ich mache im Moment bei nicht weniger als fünf Kunst-Kursen mit, die zum Teil von den Künstlerinnen kostenlos angeboten werden – das Motto ist immer wieder „physikalische Distanz, NICHT emotionale und soziale Distanz“.

      Lesungen Streamen ist eine großartige Sache, da gibt es im Moment sicher dankbare Abnehmer!

      LG,
      Mikka

    2. Es bleibt ambivalent…und damit nicht leicht für uns
      Einerseits wird in den Medien (nur von der Politik?) die große Bedeutung von Kunst und Kultur immer wieder als wichtiger Aspekt in der ethischen Reifung von Individuum und Gesellschaft hervorgehoben – andererseits will anscheinend niemand etwas über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Aktiven wissen.
      Man genießt die Früchte und schert sich nicht um Boden und Arbeitsnot. Ab und an ein paar Allmosen, bestens inszeniert…

      Seitdem dem Optimierungswahn an allen Fronten der Gesellschaft verlieren wir immer mehr vom immatriellen Reichtum unserer Gesellschaft…schade und beängstigend-
      Doch andererseits sollte man uns nicht unterschätzen…Die Emotion hat in der Gesellschaft kürzere Dendriten als der Verstand. Und die Gewißheit und Überzeugung das wichtig Richtige zu tun wird in der Kunst einer unerbittliche Auslese unterworfen…Bitte bleibt nahbar – das Web ist eine hilfreiche Krücke, aber keine Hilfe beim aufrechten Gang!

      Wunderbar fand ich heute, dass mir von einem ITler spontan Hilfe bei der Erstellung einer Website angeboten wurde, der immernoch im 8 Std.-Job ist…Letzte Woche haben zwei FreundInnen, als sie erfuhren dass mir alle Aufträge und Ausstellungen / Kunstmärkte abgesagt wurden, geholfen ein Ateliervideo zu erstellen und damit ein Projekt public zu machen…und einige Bekannte lassen ihre Schriftstücke für Familienfeiern nun bei kalligraphisch erstellen (im Hauptberuf bin Kalligraph und public art artist- und habe einen Riesenfebel für Lyrik und Essays).

      Ich hatte das Glück in meiner Stadt gestalterische Spuren hinterlassen zu dürfen.
      Doch manchmal frage ich mich auch, was die Menschen denn sagen würden, wenn die Laternenmasten in der Fußgängerzone wieder grau wären, anstatt in 3D Airbrush mit grünen, exotischen Pflanzendekoren verziert, die mit den angehängten Pflanzkübeln jedes Jahr ab Frühjahr eine exotische Einheit bilden…als ich einmal ein vergilbtes Dekor mühsam abschrubbte um es danach zu erneuern bekam ich einen Riesen-Shitstorm von einheimischen PassantInnen…ich gab mich nicht zu erkennen…sie wußten einfach nichts, trotz all der Auszeichnungen für dieses Projekt, der Medienberichte, der Landespolitikerbesuche…zu denen ich nicht geladen war.

      Es ist anscheinend nicht wichtig…so lange es bunt ist und das Geld dafür „irgendwoher“ kommt…Da ich allein arbeite werde ich auch in diesem Sommer einige Laternen aufarbeiten…mich um Geld dafür kümmern….es gibt einfach zu viel GRAU an Orten wo es nicht zwingend nötig ist. Es gibt zu wenig Grün wo es sein könnte….und zu wenige AHA Momente a la „warum nicht!?“
      Und da war ein alter Text in meinem Notizheft…bedrängend aktuell:
      ich spinne
      aus mir fäden
      knüpfe netze aufs papier
      und hoffe
      sie fangen und halten
      gesponnenes
      zwischen dir und mir

      Allen Gesundheit, Mut & Zuversicht…und ein vieblättriges Kleeblatt
      Euer gitano

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