Nach der Absage der Leipziger Buchmesse: Wer rettet die kleineren und die Kleinverlage?

    Der Hilferuf wegen der Corona-Krise wird lauter und vielstimmiger

    Kommentar von Walther

    Manchmal fragt man sich, was gefährlicher ist: Der Corona-Virus oder die Begleiterscheinungen, die er auslöst. Es spricht sich jedenfalls herum, dass es jenseits von Panikkäufen nach Katastrophenfallschecklisten des THW und der Letalität der neuen „Grippe“ auch die Wirtschaft zunehmend infiziert wird. Nicht nur das China-Geschäft der Autobauer und die Grundversorgung mit Medikamenten sind bedroht, auch die Messe-, Reise- und Übernachtungsbranche stöhnt.

    Langsam schwant es nach und nach selbst dem Normalbürger, dass nicht nur die Krankheit gefährlich ist, sondern auch die betriebs- und volkswirtschaftlichen Nebenfolgen, die sie mit zunehmender Ausbreitung auslöst. Das Konzept der Epidemiologen, die Ausbreitung der Krankheit zu bremsen, bis die Grippewelle vorüber, die Behandlungsmethoden verfeinert und vielleicht sogar Impfstoffe entwickelt sind, hat sehr viel für sich. Es hat nur den jetzt erkennbaren deutlichen Nachteil, dass die zwischenmenschliche Interaktion eingeschränkt werden muss, damit es funktioniert und die Rechnung aufgeht.

    Die Absage und das Verschieben von Messen und Kongressen sind die unvermeidbaren Entscheidungen, die dem Leitgedanken folgen, große Menschenansammlungen und damit Ansteckungsfabriken zu verhindern. Die Konsequenz, auch große Sportveranstaltungen wie Bundesligaspiele abzusagen, zeigen allerdings eine ebenso merkwürdige wie sachlich wenig nachvollziehbare Inkonsequenz im Umgang mit den Vorgaben der Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI). Es sei gestattet, dass man sich doch ein wenig wundert.

    Messen sind nicht nur Menschenansammlungen. Sie sind zugleich wichtige Märkte für die ausstellenden Branchen und ihre Unternehmen und Akteure. Die Leipziger Messe hat sich zu einem Schaufenster der kleineren und der Kleinverlage entwickelt, weil sie weit günstiger ist als ihre Große Schwester in Frankfurt im Herbst. Und sie schafft zugleich einen zweiten Vertriebsschwerpunkt im frühen Frühjahr, um neue Buch- und Medien-Projekte sowie deren Autor*innen vorzustellen. Gerade für die kleineren und die Kleinverlage ist der Wegfall dieses Marktplatzes ebenso eine wirtschaftliche Katastrophe wie für die begleitenden Serviceunternehmen wie Messebauer und das Reise-, Gaststätten- und Übernachtungsgewerbe.

    Vom letzteren hört man inzwischen vernehmbar den Hilferuf, bei den geplanten Konjunkturhilfen für die Wirtschaft berücksichtigt zu werden. Den Umsatzausfall der Messebauer und der Verlage nimmt man anscheinend achselzuckend hin. Der Börsenverein ist zu schwächlich, um durchzudringen, und wohl an seiner Spitze dafür auch nicht richtig und entsprechend kommunikationsstark besetzt. Die kleineren und die Kleinverlage leiden darunter, dass sie schlecht organisiert sind und der Einzelkämpferei des Kunst- und Literaturgewerbes frönen. Sie bleiben daher leise, fast stumm; wenigstens sind sie in der skandalisiert-aufgeregten Stimmung unseres Heute nicht zu hören.

    Die Diagnose, dass der Mainstream so oder so über sie hinweggeht, ist schlimm genug. Es ist leider zu konstatieren, dass Literatur, vor allem die Poesie und die Kurzformen von Dramatik und Belletristik, scheinbar für das Gesamt unwichtig ist und damit die engagierten kleinen und Kleinverlage, in denen diese Formen, wenn überhaupt, publiziert werden. Das Land der Dichter und Denker steht uninteressiert am Rande und merkt nicht einmal, dass ein Stück Kultur und Literatur stirbt und mit ihm ein Teil von ihm selbst, der jedoch verzichtbar zu sein scheint wie der Blinddarm und die Mandeln.

    Dass er sich mal nicht darin täuscht.

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