Versunkene Stadt

    Gedicht von Jan D. Stechpalm

    Tempel der Kindheit,
    von Algen und Tang umrankt
    fern am Grunde schimmernd.
    Taumelnd erreicht Euch gleissendes Licht
    und schmilzt Schneeflocken gleich
    an den gefallenen Säulen.

    Strassen der Jugend,
    von Sand und Salz verwaschen
    flau am Boden flimmernd.
    Korallig treiben Eure Kanten Triebe
    zum gurgelnden Glucksen
    der alles schluckenden Meere.

    Lass mich hinab zu Dir steigen
    in Deine graufeuchte Kälte,
    bunten Sommern nachspüren,
    Mädchen Lachen und Jungen Haschen
    im farblosen Rauschen Deiner Brühe erahnen,
    wo Fische kreisen und Krebse sich verkriechen.

    Lass mich Silbermünzen und Goldringe finden
    zwischen Nixen-berauschten Scherben
    und Muschel-verhangenen Trümmern.
    Lass mich verschollene Schätze bergen
    und aus luftlosem Dunkel ans atmende Ufer bringen,
    zum feurigen Feste Deines Unterganges.

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