Pöltenberg

    Gedicht von Birgit Rivero

    Bröckelndes, stammelndes Mauerwerk,
    Ziegelstaub, Ziegelrot, Ziegeltod,
    Niedrige Fenster erblindet,
    Pflaster und Kloster und Bank.
    Keine irrende Menschenseele
    Regt sich auf dem Hügel,
    Kein Laut, keine knarrende Türe,
    Kein Gebet zu dem Heiligen
    Mit seiner steinernen Kutte
    Kniet auf dem Weg bis zum Tor.
    Unter der Kuppel, unsichtbar,
    Kauern die Ritter vom roten Stern
    Hinter Karosse und Riegel,
    Ziehen rote Lisenen
    Durch weiße Vergangenheit.
    Aber hoch über ihnen,
    Über dem grünen Kupferdach,
    Spielen die Jäger ihr Spiel zu zweit,
    Jubelruf, unbedacht, Liebesruf,
    Sorglosigkeit hebt die Flügel,
    Über Tod und Geburt
    Weht ihr rostrotes Hochzeitskleid.

    Hinweis:
    Pöltenberg hat nichts mit St. Pölten oder Aggstein zu tun hat, das ist  der alte deutsche Name eines teilweise recht verfallenen Stadtteils von Znaim, heute Znojmo (Tschechien), mit einer Stiftskirche. Darauf hat uns die Autorin aufmerksam gemacht.

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