Minipressennachlese 2019

    Mainz war eine Reise wert. In der Tat. Wert war die Reise samt Standgebühren (69 Euro Sparausgabe gebucht von zugetextet.com bei der Minipresse) ungefähr 500 Euro. Haben wir das eingenommen. Nein. Aber wir saßen vier Tage mit Gleichgesinnten uns den Hintern breit, haben uns prächtig unterhalten, amüsiert, Gedanken geteilt, Bekanntschaften geschlossen, aus denen Freundschaften werden könnten. Oder eine schnöde Zusammenarbeit des gemeinsamen Profits wegen (welchen Profits bitte? Egal, irgendeines halt).

    In der Tat haben wir ungefähr 10 Exemplare des Magazins verkauft, getauscht, verschenkt. Dann hat der Unterzeichner noch zwei seiner Lyrikbände verkauft, signiert. Signiert, Leute, das ist das, was der Autor und die Autorin brauchen, um für eine logische Sekunde im siebten Poetenhimmel zu sein! Also bitte jetzt nicht lachen, und schon gar nicht ins Fäustchen. Immerhin waren das 20 Euro an die ständig leere Künstlerkasse des herausgebenden Dichters, der diesmal einnahm und nicht (her-)ausgab (tat er auch, aber Wechselgeld). Dazu muss man wissen, dass diese Künstlerkasse zugleich auch die Kasse des Projekts zugetextet.com ist.

    Insgesamt sind ca. 60 Euro zusammengekommen. Immerhin. Wenn wir jetzt die 500 von oben abziehen, habe ich eine Städtereise nach Mainz mit Arbeitsanteil für ca. 440 Euro gemacht. Ohne Fahrtkosten. Hm.

    Erinnernswert waren die Gespräche mit Verleger Michael Fischer von der dahlemer verlagsanstalt, Berlin, der als Tischnachbar bei der Ausstellung unter mir besonders zu leiden hatte. Ebenso mit Ondrej Cikan, der den Ketos-Verlag gegründet hat und dort Übersetzungen tschechischer Autoren verlegt. Den lieben Michael habe ich bereits für die Ausgabe 1 / 2016 interviewt. Ondrej, ein klasse Typ, kommt in der kommenden Ausgabe dran. Darauf freue ich mich schon.

    Ebenso traf ich Adrian Kasnitz von der parasitenpresse, die gemeinsam mit dem Literaturzeitungsprojekt Klitteratur einen Standplatz teile. Hatte ich Michael auch vorgeschlagen, der wollte nicht. Die parasitenpresse wurde in Ausgabe  6 / 2018 vorgestellt. Zugetextet.com wühlt sich durch die engagierte Szene kleiner und mittlerer Verlage. Ich denke, wir werden dazu noch ein Weilchen brauchen. Aber man kann erkennen, die Minipresse ist offensichtlich ein „place to be“. Wir sind gewesen, und es war teuer genug.

    Mit Klitteratur und anderen Literaturzeitschriften wollen wir zusammenarbeiten, um ein Portal zu bauen, über das man uns alle besser ordern kann. Bin gespannt, ob das klappt. Wirklich gespannt.

    Apropos Interviews: Mit Friederike Jacobs von der Friedenauer Presse, die den diesjährigen V.O.-Stomps-Preis erhalten hat, werde ich ebenfalls ein Interview machen. Sie hat bereits zugestimmt, und ich hoffe sehr, dass das klappt. Ein tolles Projekt mit viel Tradition, die Friedenauer Presse, und ich reihe mich ein in die Reihe der Bewunderer, dass Frederike Jacobs diesen Verlag in eine neue Zeit führen möchte. Leute, wir sollten ihr alle die Daumen drücken (und ein paar ihrer Bücher kaufen, damit sie es auch schaffen kann).

    Die Festrede der Preisverleihung über V.O. Stomps und sein Wirken versuche ich zu bekommen, um sie auf dem zugetextet.com Blog zu dokumentieren. Kann eine Weile dauern und vielleicht nicht klappen. Daumendrücken könnte eventuell helfen. V.O. Stomps ist ein aufregender und prägender Charakter der deutschen Vor- und frühen Nachkriegsliteratur. Raben- und Eremitenpresse sind Meilensteine des Verlagswesens und der Förderung jungen Autor*innen. Sein Werk sollte heutigen Verlegern als Ansporn und Auftrag dienen.

    Ach ja, die Lesung am Samstag, den 1. Juni, am späten Nachmittag / frühen Abend. Gigantisch. Bei uns war das Lesezelt voll. Und das lag durchaus nicht nur an der Zahl der Vortragenden! Ich habe fast 20 Teilnehmer gezählt – Rekord, selbst wenn man die 8 Vortragenden und mich abzöge. Was ich so hörte, war ein Durchschnitt von zwei bis drei Zuhörern bei den anderen Terminen. Tolle Sache, machen wir das nächste Mal wieder. Vor allem wegen der teilweise hervorragenden Performances. Ich danke euch alle, die ihr angereist seid und euch dem Publikum gestellt habt!

    Zu guter Letzt: Mit Studienfreund Wolfgang nach über fünf Jahren ein Wiedersehen zu feiern – eine eigene kleine und beglückende Geschichte. Danke, dass du kamst, um mich zu treffen!

    Und nun zum Wichtigsten, der Danksagung an den Messeorganisator Jürgen Kipp und sein Team aus dem Gutenberg-Museum, Mainz: Jürgen, du bist einzigartig, und das, was du für uns Literatur- und Druckverrückte alle zwei Jahre immer wieder auf die Beine stellst, auch. Was machen wir eigentlich einmal ohne dich?

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