Wetter

    Wetter

    von Victoria Pavot

    Ich soll einen Text schreiben. Wettbewerbe locken mit banalen Aufgaben. Wetter. Was könnte es Einfacheres geben? Regen, Wind, Sonne Schnee, Gefühle?
    Ich könnte über die Schönheit des Regens schwadronieren, den Geruch des feuchten Asphalts im Sommer, ein Mädchen, welches durch die Stadt läuft, den Geruch einatmet, sich aus einer obsessiven Beziehung lossagt, wieder atmet, im Regen tanzt, frei wie der laue Wind. Klischee an Klischee.
    Ich könnte über bewölkte Nachkriegsstädte schreiben, mit Krähen und pessimistischen Zeitungen, einen Jungen, der seine tote Familie bewacht, während die Asche über den Feldern hängt, ein Nebel aus Grau. Ohne Licht. Leider wäre ich dann Wolfgang Borchert.
    Ich könnte über Sonne schreiben, Gedanken am Meer, oder heiße Küsse, tausend Rückblenden und ein Sonnenblumenfeld in der Toskana, gelb wie das Licht des jungen Glücks. Dann würde ich es unter einem Namen einreichen, der jeder Trivialliteraturfrau gefällt. Nancy Rosebud. Amy Love.
    Ich könnte den Schnee in literarische Kunstwerke verwandeln. Verlorene Menschen im Wald, schreckliche Dinge in einer Holzhütte, Gedärme und Schreie, Zombiezähne und Blut, filettierte Teenager, während das idyllische Zeug vom Himmel fällt und die Tannen in sanftes Licht taucht. Am Ende fordert der Wettbewerb ein originelles Kennwort. Meines wäre dann „WaldUndDarm123“.
    Ach, zum Teufel mit dem Wetter-Bewerb. Vier Exemplare, Normseiten, all‘ das. Sollen Zombies die Vorgaben fressen. Guten Appetit.

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