30.11.2016 19 – 20 Uhr, FRO + Radiofabrik Salzburg, 4. Ausgabe von seitwärts:[poetologische ortungen] – Grenzräume

    Liebe Rundfunkhorcherinnen und -horcher, liebe Literaturinteressierte,

    die 4. Ausgabe von seitwärts:[poetologische ortungen]  widmen wir unter dem Titel „Grenzräume“  einer literarischen Spurensuche im Grenzraum Burgenland/Ungarn. Die Ausstrahlung wird wieder zeitgleich von Radio FRO in Linz (105,0 mHz) und der Radiofabrik in Salzburg (107,5 mHz ) übernommen.
    Diese Sendung ist zum vor- und nachhören  im Archiv der Freien Radios  bereitgestellt!

    • Sendetermin:                Mi, 30. 11. 2016 19 – 20 Uhr,  (FRO + Radiofabrik Salzburg)
    • Gast*autorinnen:          Balázs Both, Wolfgang  Millendorfer (Einspielung), Zsuzsa Rakovszky,                                                   Beatrice Simonsen, Herausgeberin des Buches
    • Sendetitel:                     Grenzräume: eine literarische Spurensuche im Burgenland
    • Aufnahme & Sendungsgestaltung:    Wally Rettenbacher
    • Fotos [online]:               Ábel Both
    [Zum Nachhören: seitwärts:[poetologische] Ortungen, Augustausgabe. Raimund Bahr, Interview & Kurzlesung aus seinem neuen Salzkammergutkrimi „Der falsche Verdacht“, unter: „Bahr, der Hybrid“ ]

    Inhalt zu dieser Ausgabe:

    Unter dem Titel „Grenzräume – eine literarische Spurensuche im Burgenland“ hat die Autorin Beatrice Simonsen in der edition lex liszt12 ein Buch herausgegeben, in dem das Grenzland Österreich/Ungarn aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet und reflektiert wird.

    In dieser „pannonischen Reflexion“ beschäftigen sich eingeladene Autorinnen und Autoren aus Österreich und Ungarn über die Grenzen hinweg in einer Art literarischen Bestandsaufnahme mit den unterschiedlichen Lebenswelten, Menschen, Ethnien und Sprachen, sowie mit verschiedenen Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Literatur, die diese Region prägten und prägen. Vervollständigt durch feinsinnige Landschafts- und Stimmungsbeschreibungen ergibt dieses Buch ein Zeitdokument erster Ordnung.

    +++

    Gemeinsam mit den Gastautoren und -autorinnen Balázs Both und Zsuzsa Rakovszky aus Sopron sowie Wolfgang Millendorfer aus Mattersburg (Einspielung), begaben wir uns mit Beatrice Simonsen entlang dieser geschichtsträchtigen Demarkationslinie auf einen poetologischen Streifzug durch, in und über die Zeit einer Region.

    Die „Grenzräume“ wurden live aufgenommen am Sonntag, den 30. Oktober 2016 in Siegendorf (Interview mit Beatrice Simonsen im Gasthaus Sonnenstrahl), sowie an der österreichisch-ungarischen Grenze zwischen Sopron und St. Margarethen, am und um dem „Tor zur Freiheit“, das anlässlich des Falls des Eisernen Vorhanges im Jahr 1989 errichtet worden ist. Als Ergebnis dieses Streifzugs ist ein poetischer „Hörnimbus“ entstanden, ein grenzüberschreitendes Audiodokument begleitend zum Buch!

    English Translation

    Beatrice Simonsen’s book Grenzräume: eine literarische Spurensuche im Burgenland (edition lex liszt12) explores her native homeland of Burgenland – a borderland between Austria/Hungary – from differing views and differing perspectives.

    In this „Pannonian reflection“, the invited authors from both Austria and Hungary engage in a kind of ‘literary bordering’ with the different worlds of lives, people, ethnicities, and languages as well as with various personalities from politics, art and literature who shape this region. Not to mention the great landscapes and mood descriptions!

    In this program, Beatrice Simonsen, together with the guest authors Balázs Both and Zsuzsa Rakovszky from Sopron, and Wolfgang Millendorfer from Mattersburg, embark upon a poetological journey along this intriguing border region through, into and over historical timelines of demarcation.

    The „border areas“ were recorded live on Sunday, 30th October 2016 in Siegendorf (the interview with Beatrice Simonsen taking place at the Gasthaus Sonnenstrahl) as well as on the Austro-Hungarian border between Sopron and St. Margarethen both at, and around, the Gate to Freedom. The result is a poetic höronimbus of the first order!

    English Translation: Marcus D. Niski, 11/2016

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    Musik:

    [Pristup] – Burgenland
    Pristup – oj, Jelena
    Kálmar Pál  – Elmonadi jaj de nehez [it is difficult to tell]
    Kálmar Pál  – Szomoru vasarnap [gloomy sunday]
    Vali Racz – Cserlnek magaval
    Gábor Putnoky – Egyszer lattam a tengert
    D´housemusi – komisch Pannonisch
    Németh Dénes – Hallgató Csárdás
    Leningrad Cowboys – those were the days
    Jenö Takács sonata breve op 67

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    Verlage/Editionen

    „Grenzräume. Eine literarische Spurensuche. Beatrice Simonsen (Hg.). edition lex liszt12. Oberwart. 2015.
    Reihe: die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik (Hg. von Jürgen Krätzer).Bd. 264, 61. Jahrgang. Wallstein-Verlag.Göttingen.2016. Online Veröffentlichung der deutschen Übersetzung von Zsuzsa Rakovszky´s Gedicht mit freundlicher Genehmigung des Wallstein Verlages!

    Zsuzsa Rakovszky „Címkék: nyár, Balaton, felejtés, olasz filmek – Stichworte: Sommer, Balaton, Vergessen, italienische Filme“. Übersetzung ins Deutsche Anne-Marie Kenessey.

     Zsuzsa Rakovszky

     Stichworte: Sommer, Balaton, Vergessen, italienische Filme
    Augustsüße, der
    Geschmack von schmelzendem
    Eis und Sommersonne in unserem Mund.
    In Schlappen laufen wir herum, vor Hitze fahl
    der Himmel, wie im eigenen Zimmer.
    Das Leben endloser Urlaub,
    ein Garten, wo jetzt und auf ewig Sommer ist,
    vom Über-Ich mit dem Flammenschwert unbehütet – Musik
    und das schlangenlose Eden sonnenglänzender Körper.

    Eine mächtige Lavalampe, die Sonne brennt,
    sinkt hinter die Bergkette des anderen Ufers.
    Im Ferienheim der Kunstseidefabrik
    am Pingpongtisch
    ein kleiner Auflauf[1]. Rolling Stones wird gespielt
    in der Bar, das Schilfrohr schwankt im Abendwind.
    Die Neonreklame des Seehotels flammt.
    Wir schlüpfen aus den schweren, nach Wasser riechenden Badeanzügen.

    Fischgeruch. Mückenreiche Abenddämmerung.
    Im TV-Zimmer brennt schon das Licht.
    In der Ferne ein Knall. Hinter dem Horizont
    wechselt die Kulisse. In den Gartenkinos
    unter den Palmen eines anderen Lebens
    blitzen die Schultern italienischer Filmsterne.
    Rauch steigt auf. Neue Losungen werden an die Himmelstafeln
    geschrieben: Vergessen, Leere, Leichtigkeit.

    Die Armbanduhr knackt: jetzt wechselt das Zeitalter.
    Etwas ist jetzt für immer vorbei.
    Die Filmmusik ist endgültig verklungen.
    Das metallische Zirpen der Grillen ertönt.
    Glimmende Kippen, Sternschnuppen
    zeichnen eine glühende Flugbahn an den Himmel.
    Das Café Meerjungfrau wird eben geschlossen.
    Die Nähe des Wassers ist zu spüren, im Dunkeln.

       

    Aus dem Ungarischen von Anne-Marie Kenessey

    [1] Anm.: Menschenauflauf

    Címkék: nyár, Balaton, felejtés, olasz filmek

    Augusztus édessége, olvadó
    fagylalt és napsütés íze a szánkban.
    Papucsban járkálunk hőtől fakó
    égbolt alatt, akár saját szobánkban.
    Az élet végtelen vakáció,
    egy kert, ahol most és örökre nyár van,
    s lángpallossal nem őrzi a felettes én – zene
    és napsütötte testek kígyótlan édene.

    Hatalmas lávalámpa, ég a nap,
    a túlpart hegysora mögé alászáll.
    A műselyemipari vállalat
    üdülőjének pingpongasztalánál
    kisebb tömeg. Rolling Stonest játszanak
    a bárban, esti szellőben ing a nádszál.
    A Tó Hotel neonreklámja lángol.
    Kibújunk vízszagú, nehéz fürdőruhánkból.

    Halszag. Szúnyogban gazdag alkonyat.
    A tévészobában már ég a villany.
    Távol dörej. Díszletet váltanak
    a láthatár mögött. A kertmozikban
    egy másik élet pálmái alatt
    olasz filmcsillagok válla villan.
    Füst száll. Új jelszavak íródnak épp az ég
    tábláira: felejtés, üresség, könnyűség.

    Karóra kattan: most vált korszakot.
    Valaminek most van örökre vége.
    A filmzene végleg elhallgatott.
    Fölcsap a tücskök fémes csiriplése.
    Parázsló csikkek, hullócsillagok
    rajzolnak izzó röppályát az égre.
    A Hableány presszóban zárnak éppen.
    A víz közelségét érezni a sötétben.

     +++

    Die Autorinnen und Autoren:

    Beatrice Simonsen

    Beatrice Simonsen lebt als Kulturveranstalterin, Autorin und Literaturkritikerin in Wien und im Burgenland. Literarische Veröffentlichungen in Anthologien (2016 in „Behaust. Menschen unter Dach im Burgenland“ hg. von Katharina Tiwald, in „Beherrschen Sie sich“ hg. von  Elena Messner und Eva Schörkhuber). 2015 Herausgabe von „Grenzräume. Eine literarische Spurensuche im Burgenland“ (edition lex liszt 12), 2005 „Grenzräume. Eine literarische Landkarte Südtirols“ (Edition Raetia). Seit 2013 Konzeption und Organisation von Projekten für „Kunst und Literatur“ (u.a. Literatur Raum im Bildhauerhaus in St. Margarethen im Burgenland. Siehe www.kunstundliteratur.at).

    Zsuzsa Rakovsky

    She was born in Sopron and earned a teaching certificate in Hungarian and English from the University of Budapest. From 1975 to 1981, she worked as a librarian. She published two poetry collections: Jóslatok és határidők (Prophecies and Deadlines) in 1981 and Tovább egy házzal (One house up) in 1987. Rakovszky received the Attila József Prize in 1987. She has won numerous prizes as one is the Tibor Déry Prize and the (Robert) Graves Prize.

    Rakovszky has translated works by a number of English and American poets into Hungarian. Aswell she published prolific publications in numerous anthologies.

    selected works:

    • Fehér-fekete (white-black), poems (1991)
    • Egyirányú utca (One way street), poems (1998)
    • A kigyó árnyéka, deutsche Veröffentlichung unter: [Im Schatten der Schlange] (2005)

    Wolfgang Millendorfer

    Wolfgang Millendorfer wurde am 1. Oktober 1977 in Eisenstadt geboren und wuchs in Sigleß auf. Er studierte in Wien und lebt und arbeitet heute als Journalist und Autor in Mattersburg. Er wirkte an Theater- und Filmprojekten mit, ist Initiator verschiedenster Kunst-Events und Musik-Experimente und veröffentlichte unter anderem die Erzählbände Stammgäste (edition lex liszt 12, 2007) und Doppelgänger (edition lex liszt 12, 2011). Zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt Burgenlandstiftung Theodor Kery 2012, der Burgenländische Literaturpreis 2011, das Aufenthalts-Stipendium des Landes Burgenland im Künstleratelier Paliano, Italien (April 2011)

    web:    www.wolfgang-millendorfer.at

    Balázs Both

    geboren 1976 in Sopron. Zahlreiche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften seit 1999 sowie in der Anthologie “Gedichte des Jahres”.

    Gedichtbände:

    • Árnyéktalan pillanat (2005) (Ein Moment ohne Schatten),
    • Látogatód jön (2010) (Der Besucher kommt),
    • Ha nem marad kimondatlan (2013) (Wenn es ungesagt bliebe).

    Der Autor lebt in Sopron.

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     wallyre 11/16

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    Impressum: Verein Miriam, 4020 Linz

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