Nicht lustig!

    Nicht lustig!

    von Bright Angel

    Eine Frau mit Damenbart ist opto-erotisch so ziemlich das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Und genau ich armes Schwein habe so eine als Freundin. Dabei hat sie einen wirklich eleganten Namen: Lisa-Marie. Es ist wirklich grausam. Wenn sie an meinem Ding herumspielt, bevor sie es in den Mund nimmt, spüre ich dort kratzend ihren Bart. Noch dazu ist er schwarz. Es ist, als ob mir eine Tunte einen bliese. Nein, ich muss aufhören, davon zu erzählen. Ich halte das nicht mehr länger aus.
    In meinem Leben ist immer schon alles danebengegangen. Man könnte fast meinen, meine Mutter habe den echten Grog weggeworfen und seine Nachgeburt aufgezogen. Grog ist hier mein Name. Natürlich heiße ich nicht tatsächlich so, aber ich möchte anonym bleiben.
    Ein normales Leben läuft chronologisch ab, logisch, von der Geburt bis zum Tod. Nicht dass sich mein Leben anders abspielt, rückwärts zum Beispiel, ich wäre ja komplett wahnsinnig, wenn ich dies behaupten würde. Außerdem hätte ich dann ja meinen Tod bereits erlebt und alles, was von jetzt an bis zu ihm geschehen ist. Das habe ich aber nicht, weil es naturwissenschaftlich nicht möglich ist. Ich bilde mir auch nicht ein, dass es so wäre, was wiederum bedeutet – Pluspunkt für mich –, dass ich nicht total verrückt bin. Sondern nur ein bisschen. Vielleicht wäre es ja sogar ganz gut, wenn ich vollkommen gaga wäre, dann würde ich meinen Lebensweg leichter beschreiten, der die Steigerung von steinig ist, nämlich felsig, ständig sind da Felsen, über die ich klettern muss.
    Eine rosa Brille wäre doch fein, irgendwie, nicht? Dann würde ich all die fürchterlichen Niederlagen in meinem Leben nicht so schwer nehmen. Der Rucksack von Schmähungen und Peinlichkeiten lastet jeden Tag schwerer auf meinem Rücken. Es ist schlimm, schlimm, schlimm. Worauf ich hinauswill, ist: Mein Leben ist eine Kette von Fiaskos. Nicht der Kalender oder die Uhr gibt ihm seine Richtung, sondern das Scheitern in unterschiedlichem Ausmaß, oft genug ist es das völlige.
    Ich bin kein schöner Mann, ich bin kein intelligenter Mann, ich bin kein reicher Mann. Ich bin davon stets das Gegenteil. Im Grunde kann ich ja froh sein, eine Freundin zu haben, Bart hin oder her, aber es würgt mich, wenn ich davon erzählen soll. Lassen wir das!
    Ich habe es nie leicht gehabt bei Frauen, genauso wenig wie ich es als Jugendlicher leicht bei Mädchen hatte. Wenn Sie mich sehen würden, wüssten Sie warum. Würden Sie mich dann auch noch sprechen hören, wäre Ihnen klar, weshalb es nicht anders sein kann. Und hätten Sie Einblick in meine Finanzen, würden Sie verstehen, dass mich jede mit Nichtbeachtung straft. Jede bis auf Lisa-Marie mit dem Bart.

    Eine für mich übliche Erinnerung ist, wie ich mich als Kleinkind einmal eingekotet hatte und meine Mutter einen Mann, der gerade zu Besuch war, ihr Liebhaber vielleicht, weiß nicht, kann ich nicht sagen, ist ja auch egal, fragte, was sie tun könnte, um mir das abzugewöhnen. Der Mann meinte, sie sollte mein Gesicht in die Scheiße tunken. Das tat sie dann auch.
    Stutzig macht mich bei der Sache nur, dass es eigentlich nicht möglich sein dürfte, sich bis ins Kleinkinderalter zurückzuerinnern. Ich meine mich auch zu erinnern, dass der Mann schwarze Haare hatte. Sagen wir so: Auch wenn es diesen Vorfall niemals gegeben hätte, würde er gut in mein verkorkstes Leben passen.
    Nach meinem ersten Tag im Gymnasium sagte meine Mutter: „Grog“, – nein, sie nannte natürlich meinen echten Namen – „du bist jetzt ein kleiner Sir.“
    Das hat mir gefallen. In genau diesem Moment war das ein Lichtblick. Aber je länger ich in diese Schule ging, desto mehr verfinsterte sich meine Sicht. Wurde ich in Leibesübungen beim Fußball ins Tor gestellt, kriegte ich sieben Tore in einer Doppelstunde. Die dicken und total unsportlichen Kinder kriegten weniger. Beim Schulschikurs steckten sie mich in die letzte Gruppe, weil ich beim Vorfahren einen Sturz gebaut hatte. Ich höre jetzt noch, wie sie alle lachten.
    Wo wir gerade bei der Schule sind, fällt mir meine Volksschulzeit ein, die ich in einem Kaff in Niedersachsen verbracht hatte. Ich bin ja Österreicher, Südösterreicher ( Kärntner), die Kinder in Niedersachsen waren viel robuster als die in Kärnten. Jedenfalls war es so, dass wir uns auf dem Schulweg immer mit Steinen beschossen, wobei das so ablief, dass ich stets alleine war und die anderen zu dritt, zu viert oder auch zu fünft. Paradoxerweise geradezu wurde ich nie schwer verletzt. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich wüsste, dass die anderen einiges abbekommen haben. Da ich es aber nicht weiß, bleibt mir diese Genugtuung versagt.
    Ach ja, als ich noch ein Kindergartenkind war, wir lebten damals, glaube ich, in Ludwigshafen, war ich beim Cowboy-und-Indianer-Spielen immer der Cowboy auf dem Marterpfahl. Heute sagt man ja auf Neudeutsch gerne „Du Opfer“.
    Ich war damals wirklich eines.

    Und dieses scheiß Spinatessen wegen diesem Kommafehler beim Eisengehalt! Ich musste den runter würgen, bis mir vorkam, dass mein Kopf schon ganz grün geworden wäre.
    Sogar zur Drogenbeschaffung war ich zu blöd. Mir fällt ein, als ich in Wien einmal ein Briefchen mit einem Gramm Heroin kaufen wollte, das kostete damals 3.000 Schillinge. Die gab ich dem vermeintlichen Dealer, bevor er mir das Briefchen überreichte. All das spielte sich im Klo einer öffentlichen WC-Anlage ab.
    Er verließ daraufhin sofort das Klo. Ich sah mir das Pulver an. Es war nicht in Ordnung, es bestand aus unterschiedlich großen Körnern. Ich kannte das schon, das waren irgendwelche zerkleinerte Tabletten. Ich wollte sogleich das Klo verlassen, aber die Tür ließ sich nicht öffnen. Bis ich die Wand des Klos überklettert hatte, er hatte Papier oder so etwas, ich bin mir nicht mehr ganz sicher, in die Schlüsselöffnung gestopft, war er längst über alle Berge.
    Ein Andermal, wieder in Wien, ein Jahr später, denke ich, hatte ich bereits einigen Dope und LSD-Trips gekauft. Ich wollte eigentlich nur noch etwas trinken gehen und dann nachhause trampen.
    Vor einem Lokal traf ich einen Freund von mir, einen Junkie, eigentlich hätte ich es ja wissen müssen: Ein Junkie kann kein Freund sein, auf jeden Fall ging es so weiter, dass er die Trips tauschen wollte, seine gegen meine, unbedingt. Zwei von den gekauften behielt ich, vier, glaube ich, tauschte ich. Zurück in Klagenfurt nahm ich mit einer damaligen Bekannten je einen Trip – ich dachte, ich könne sie danach vielleicht flachlegen –, was aber weniger an meinem unschönen Äußeren lag, sondern daran, dass wir viel zu steif waren, um mehr zu tun als dazusitzen oder zu liegen. Die gekauften Trips waren echt der Hammer. Das nächste Mal nahm ich einen von den eingetauschten, keine Wirkung. Da sah ich mir die drei verbliebenen an und bemerkte sehr unschwer, dass sie aus Teilen einer Filmrolle bestanden.

    Ja, so war das. Trotzdem habe ich in meinem Leben bislang so viele Drogen eingenommen, dass bei einer Magnetresonanztomografie meines Schädels vor eineinhalb Jahren ein Gehirnschaden konstatiert wurde. Inzwischen bin ich seit einigen Jahren schon clean, was aber bloß bedeutet, dass ich überhaupt keinen Spaß mehr habe. Besser Gehirnschaden und weiter Substanzen einnehmen, geht aber gar nicht, da finanzielle Gründe ausschlaggebend wären, dass ich drogenfrei wurde. Ich hatte nämlich meinen Job verloren.
    Es war ein Job, von dem es hieß, man könnte nichts falsch machen. Das wurde dann auch mein Dilemma, denn es war so leicht, ihn zu erfüllen, dass man mir als Älterem kündigte, um jemand Jungen einzustellen, der viel billiger war.
    Clean zu sein, ohne es zu wollen, it´s a shame, und es ist ganz und gar nicht lustig.
    Ein Tiefpunkt nach dem anderen. Man meint, es könne nicht mehr tiefer gehen, aber damit irrt man sich, die Spitze, die hier eine Senke ist, ist noch lange nicht erreicht.

    In der Hölle der leichten Mädchen kann einem so einiges passieren. Die Kontaktaufnahme vonseiten einem der Mädchen ist immer gleich: Wie heißt du? Woher kommst du? Was machst du? Danach folgt: „Zahlst du mir Piccolo?“
    Das kostet einem bis zu dreißig Euro. Aber wenn man das Geld nun einmal hat, warum nicht?
    Ich sah mich um im Plüschparadies. Beim Nachbartisch erläuterte ein Kunde – oder sagt man Gast? -; einem blonden, schon älteren Mädchen, man müsste eher Frau sagen, für ihn weltbewegende Dinge. Sie hörte aufmerksam zu und nickte immer wieder. Das war echt Psychotherapie. Es kommt ja doch in erster Linie darauf an, dass einem jemand zuhört. So ist es doch, oder etwa nicht?
    Dann hörte ich: „Bibi, komm tanzen!“ und eine kleine, dünne, recht unscheinbare Frau strippte auf eine kleinen Bühne. Eigenartigerweise hatte sie Socken an, die sie auch anbehielt. Jetzt kam die Frage von Ramona, die sich einen Piccolo trinkend um mich kümmerte: „Gehen wir Zimmer?“
    „Wie teuer?“
    Sie leierte ihre Preisliste runter. Okay, wir gingen Zimmer. Aber ich kriegte keinen hoch. Damals wusste ich es nicht, doch inzwischen weiß ich es: Ich nahm damals Antidepressiva. Mit denen ist eine Erektion sehr schwierig. Peinlich? Nicht so schlimm, aber eine Geldverschwendung halt.

    Gibt es etwas Unangenehmeres, als über Selbstbefriedigung zu sprechen. Ja, sie zu vollziehen und dabei erwischt zu werden. So erging es mir bei meinem Grundwehrdienst.
    Ich nahm damals regelmäßig Tabletten gegen Reisekrankheit, die sich Neo-Emedyl nennen. Anfangs erzeugen sie Optik, das nimmt dann stark ab, aber immer hat man sehr eigentümliche Feelings, gleichzeitig ist viel Koffein in ihnen enthalten. Damit hat man eine ständige Mischwirkung zwischen schnell und langsam.
    Auch diesmal hatte ich eine höhere Dosis eingenommen, mit zwei Kameraden war ich in einem Kino. Irgendwann wurde ich so richtig geil und begab mich aufs Klo, wo ich begann, mir einen runterzuholen, was aber kein Ende nahm, wegen der sedierenden Komponente. Es endete so, dass eine Kinoangestellte die Tür aufbrach, mich so dasitzen sah und sagte: „Pfui, grauslich, so ein Schwein!“

    Das war´s dann. Ganz unten.

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