„Es sind vor allem die Räume“ – Interview mit Philipp Böhm, dem Autor von „Schellenmann“

    von Oliver Bruskolini

    Philipp Böhm, Autor des von uns rezensierten Romans Schellenmann, wurde 1988 in Ludwigshafen geboren. Vor seinem Erstlingswerk trat er literarisch vor allem durch das Bremer Autorenstipendium im Jahr 2014 und die Finalteilnahme beim 24. Open Mike im Jahr 2016 in Erscheinung. Außerdem veröffentlichte er in mehreren Anthologien und Literaturzeitschriften. Neben dem eigenen Schreiben widmet er sich dem Magazin metamorphosen sowie dem Literaturhaus Lettrétage in Berlin, wo er heute lebt. Wir freuen uns, dass er die Zeit für ein kurzes Interview mit uns gefunden hat.

    ©Philipp Böhm

    Lieber Herr Böhm, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Romandebüt Schellenmann. Es war interessant, Ihr Werk zu rezensieren. Wie entstand die Idee zum Roman? Welche Intention steckt hinter Ihrer Erzählung?

     

    Danke! Das freut mich zu hören. Intentionen habe ich beim Erzählen allerdings sehr selten. Wenn es gut läuft, sind da Ideen. Bei denen mache ich mir aber keine großen Gedanken darüber, was sie vielleicht bedeuten könnten. Zu den Ideen kommen Fragen, weil ein Roman in meinen Augen viel mehr eine Frage als eine Antwort ist. Die Idee zum Roman kam durch einen Job, den ich eine Zeitlang gemacht habe, und den Raum, den ich dort kennengelernt habe. Das war eine sehr eigenartige Fabrik, die mich über die Jahre nicht losgelassen hat. Und wenn einen ein Raum nach Jahren noch beschäftigt, dann sollte man was drüber schreiben. Und dann entstehen beim Schreiben immer neue Fragen: Wie bewegen sich die Menschen durch diesen Raum? Was bedeutet es, dort zu arbeiten? Und so weiter.

     

    Eine besonders interessante Figur ist der namengebende Schellenmann. Liest er sich anfangs wie eine Fiktion Jakobs, scheint er gen Ende eine immer realere Gestalt anzunehmen. Persönlich hatte ich den Eindruck, dass es sich um eine personifizierte Angststörung handelt, mit der sich Jakob im Verlauf der Geschichte nach und nach aussöhnt. Ist das die richtige Fährte? Welche Rolle spielt der Schellenmann?

    Der Schellenmann ist eine dieser Gestalten, die mich schon lange begleiten. Er ist immer wieder in Entwürfen, Skizzen, kürzeren Texten aufgetaucht. Und dann habe ich mich entschlossen, ihn mit in dieses Buch zu nehmen. Zu den Fährten will ich eigentlich gar nicht so viel sagen. Ich glaube nicht, dass meine Antwort darauf, was der Schellenmann bedeutet, unbedingt interessanter ist als die Antworten, die Leser*innen darauf finden. Ich kann nur sagen: Für mich ist der Schellenmann sehr real.

     

    Ihr Erzählstil und das Erschaffen einer spürbaren Industrieatmosphäre wurde in verschiedenen Kritiken mehrfach gelobt. Dem kann ich mich anschließen, Ihr Buch ist nachfühlbar. Man sagt, dieser Effekt lässt sich am besten erzielen, wenn man über das schreibt, was man kennt. Wie viel persönlicher Einfluss steckt in Ihrem Erstlingswerk?

    Es sind vor allem die Räume. Aber ich kann nichts beim Schreiben so lassen, wie ich es erinnere. Es verzerrt sich ganz automatisch. Darüber hinaus kann ich auf die Frage nur unbefriedigend allgemein antworten: Natürlich steckt persönlicher Einfluss in diesem Text, es ist deshalb aber nicht unbedingt ein Text über mich und meine Erfahrungen.

     

    Nun lösen wir uns vom Schellenmann und kommen auf Sie zu sprechen. Sie sind in der deutschsprachigen Literaturszene durchaus verwurzelt. Neben der eigenen Produktion von Texten sind Sie für das Magazin metamorphosen und im Literaturhaus Lettrétage tätig. Sie kennen also die Vielseitigkeit des Literaturbetriebs. Was reizt Sie an den unterschiedlichen Tätigkeiten? In welcher blühen Sie am meisten auf?

    Vor allem: dass ich mit Menschen zusammenkomme, mit denen ich eine Leidenschaft teile. Das ist ein großes Privileg und es macht mich tatsächlich glücklich. Abgesehen davon sind meine Tätigkeiten bei den metamorphosen und in der Lettrétage sehr verschieden. Deshalb fällt es mir schwer, sie gegeneinander abzuwägen. Am wichtigsten ist mir aber natürlich mein eigenes Schreiben.

     

    Abschließend natürlich noch die Frage nach der Zukunft. Haben Sie sich konkrete Ziele gesetzt? Was reizt Sie als nächstes? Stecken schon neue Projekte in den Kinderschuhen, auf die wir uns freuen dürfen?

    Konkrete Ziele habe ich mir keine gesetzt. Ich will einfach weiterschreiben. Ein neues Projekt gibt es allerdings schon. Ich arbeite gerade an verschiedenen kürzeren Texten, die während der Arbeit an Schellenmann nicht über das Stadium als Skizze hinausgekommen sind. Da geht es zum Beispiel um einen Priester, der die Jugendlichen einer kleinen Stadt für einen apokalyptischen Kult rekrutiert oder die Panama Creature oder die ganz normale Hässlichkeit der New Economy. Außerdem entstehen auch schon die ersten Skizzen für ein längeres Projekt, was wohl einmal mein zweiter Roman werden wird. Da will ich aber noch nichts verraten.

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