Matze Maier

    Gedicht des Monats von Carsten Stephan

    Matze Maier schrieb am Abend
    Launig, mit geschnorrtem Stifte,
    Ein paar Zeilen auf den Deckel
    Seines Bieres.

    Und am nächsten Morgen schellten
    Vierzig feiste Großverleger,
    Bis er endlich irgendeinem
    Gähnend nachgab,

    Der sein Werk in einer Woche
    Dann millionenfach verkaufte
    Und die Wälder niederwalzte
    Fürs Papier.

    Matze Maier zuckte zaghaft
    Seine schönen, schmalen Schultern
    Und zog zügig in ein Schlösschen
    Fern in Frankreich,

    Wo bald große Kipper knatternd
    Geld aus Hollywood abluden
    Und die Groupies grinsend aus den
    Laken lugten.

    Und kaum einen Monat später
    Schrieb er wundersamerweise:
    Werde nie im Leben Dichter!
    Und zerbarst.

    Dieses Werk (als Teil seiner Einsendung von 10 Werken) wurde mit dem Jurypreis 2019 des Großen Dinggang mit Badehosenaufnäher geehrt. Die Redaktion jubuliert und johlt. Es erschien ebenfalls in zugetextet.com Ausgabe 6 / Print auf S. 69. Woran man erkennen kann, dass die Redaktion bei der Auswahl meist weiß, was sie tut (unnötiger Seitenhieb auf nicht vorhandene Kritiker oder: einfach profanes und überflüssiges Selbstlob). Die Redaktion gratuliert lautstark (so laut, wie man das tonlos eben tun kann).

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