Die drei Kinder

    Die drei Kinder

    von Anne Zänkert

    Dicht gedrängt schläft der Verstand mit der Kreativität an der Hand.
    Sie nicken ein auf einer von beiden Seiten zart bepflanzte Parkbank, bei der sich ein einzelnes, merkwürdig langes Gänseblümchen langsam den Weg durch die einzelnen Holzlatten der Sitzfläche bahnt.
    Vor ihnen der Teich, an dem die beiden so gerne den Enten ein wenig Brot vom Frühstückstisch geben, das scheint sie immer so glücklich zu machen. Und den Enten gefällt es sicher auch.
    Mittags stehen der Verstand und die Kreativität dann langsam auf und begeben sich durch die träge Mittagshitze hin zu einem kleinen Café, in dem sie dann mittelmäßig angeregt über die neuesten Themen der Politik diskutieren.
    Wenn ihr Vater dazu kommt, dann werden die beiden auf einmal mucksmäuschenstill, denn sie wollen nicht belauscht werden.

    Der liebe Dichter-Papa, der für seine beiden kleinen eigentlich nur das Beste im Sinne hatte, so drängte er sie doch täglich mit liebgemeinter Strenge zu ein wenig Fleiß und Arbeit, schaut mit einem traurigen Lächeln auf sie herab. Zusammen arbeiten der Verstand und die Kreativität wunderbar, nur versucht man, sich ihrer Worte anzunehmen, kehren sie dir bockig den Rücken zu, denkt er sich.
    Also lässt der Dichter sie allein, denn so sind sie am glücklichsten.

    Er kehrt zurück zu dem kleinsten seiner Kinder.
    Traurig sitzt ein kleines Mädchen auf ihrem Bett und starrt auf eine leere Papiertüte.
    Warum lassen sie mich nicht mitspielen, fragt sich die brotlose Kunst.

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