Am Anfang war viel Liebe

    Albert Ostermaier, Für den Anfang der Nacht – Liebesgedichte -, Suhrkamp Taschenbuchverlag, Frankfurt/Main 2007, 132 S., ISBN 978-3-518-45863-1, Suhrkamp Taschenbuch 3863

    Albert Ostermaier ist sicher einer der profiliertesten „jüngeren“ deutschen Dramatiker und Lyriker. Von Suhrkamp verlegt zu werden, schafft nicht jeder. Nachdem gute Lyrik so selten ist wie eine Mauritius und gute Liebeslyrik die Steigerung von guter Lyrik ist, war der Rezensent gespannt, was er denn vorfinden würde, wenn er diesen „Sampler“ aus dem Jahr 2007 lesen würde, der eine Bogen über das Schaffen von Albert Ostermaier spannt und synoptisch Liebesgedichte aus den Jahren 1995 -2006 zusammenfügt, als Bestof sozusagen.

    Und, in der Tat, die 132 Seiten können sich lesen lassen. In 4 Teilen mit den beziehungsreichen Überschriften „beziehungsweise“, „unglücklicherweise“, „paarweise“ und „liebesbeweise“ wird ein Faden geschlagen über die Liebe im Allgemeinen und im Besonderen. Alles, was die Liebe so ausmacht, Sehen, Erkennen, Entdecken, Mit-einander-Schlafen, Streiten, Sich-Trennen, wird in einer bilderreichen Sprache, die überraschende Metaphern und Wortspiele unterhaltsam vermischt, behandelt und verdichtet dargeboten.

    Das Liebesgedicht an und für sich ist mit das Banalste und Trivialste, was die Literatur zu bieten hat. Meist ist sie ein stümperhaftes und worthülsengestanztes Konvolut mit holpernden Reimen und einer nervigen Gefühligkeit, dass sämtliche Schmalztöpfe und alle tränengetränkten Taschentücher der Menschheit aus den Strophen herausquellen. Hier ist das anders. Es gibt wirklich noch Menschen, die es fertig bringen, Liebesgedichte zu verfassen, die all das nicht sind.

    Seine Schreibung, eine permanente Kleinschreibung ohne Satzzeichen, verführt dazu, den Gedankengängen und Doppeldeutigkeiten nachzufahren. Nachdem den Rezensent diese Schreibung, ohne diesen Band gelesen zu haben, seit einiger Zeit für sich zunehmend entdeckt hat, erfreut er sich an den Assoziationen, die dieser Satz mit sich bringt. Er bedeutet allerdings, dass man sich mit Text und Gedanken durch genaues und mehrfaches Lesen intensivier beschäftigen muss. Ein einfaches und schnelles Konsumieren der Gedichte wird so unmöglich gemacht.

    Nachdem die Liebe mit der Langsamkeit verbandelt ist, sollte das die Leser nicht weiter stören. Wer schnell liebt, hat meist wenig mehr davon als einen schalen Nachgeschmack. Auch wenn man raten muss, die Gedichte nicht am Stück zu lesen sondern portioniert über einen längeren Zeitraum. Sonst wiederholen sich selbst beim so innovativen und einfallsreichen Dichter Albert Ostermaier Sujets und Metaphern.

    Netfinder:
    http://www.suhrkamp.de/
    http://www.albert-ostermaier.com/

    Weltweitweb, im November 2012

    Walther

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