A Minggana Krippograntler

    Roland Krause, Der Sandner und die Ringgeister, München 2011, Piper Verlag GmbH, 315 S., ISBN 978-3-492-27260-5, Piper-Taschenbuch 7260

    Besprechen die seit Neuestem Krimis? Gute Frage. Klare Antwort: Ausnahmen bestätigen die Regel. Der Autor Roland Krause ist als nachts im Literaturforum leselupe – auch nachts – unterwegs, und nachdem wir uns dort schon öfter über den Weg gelaufen sind, habe ich beschlossen, lassen wir mal fünfe gerade sein.

    Anfangs, das will ich nicht verhehlen, schien mit die Geschichte mit zu viel Lokalkolorit und zu viel Handlungssträngen etwas überladen. Besonders, wenn man das Buch nicht am Stück las, war es etwas schwierig, die vielen Geschichten in der Geschichte auseinander zu halten und die einzelnen Stränge wieder aneinander zu kriegen.

    Ebenso macht es beim Lesen schon ein wenig Probleme, zwischen Text und Worterläuterung hin- und her zu hüpfen. Nach einer gewissen Einlernphase hat man aber die Bajuwarismen drauf, die man wohl für einen ordentlichen Regionalkrimi aus Mingga (bajuwarisch: München) braucht. Es überrascht nicht, dass auch die bekannte Gschaftlhuberei aus Bayerns Hauptstadt eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Die Busserl Gesellschaft ist es ja auch, die immer wieder der Frensehkriminulch in Visier nimmt. Vergessen wird dabei nur zu gern, dass Bayern zwar – noch – schwarz ist, aber München rot. Nicht nur die Münchner Bayern sind so gewandet, nein, auch der aktuelle OB und die paar davor.

    Um die Hauptstory gruppieren sich Nebenstorys. So muss unser grantelnder Kriminaler eine Fall von Hausmeistermobbing in seinem Mietshaus lösen, ganz neben, im Hauptberuf klärt er einen Mord auf, bei dem der Trommler einer Rockcombo mit eindelltem Kopf auf einem Friedhof abgelegt wird, sinnigerweise. Da passt ja a Leich auch am besten hin.

    Nebenbei verarbeitet er seine Scheidung, die fernlebende Tochter, seine wilde Jugend, findet ein neues Gsschpusi und rüttelt die Kripo ebenso durch, wie er in einigen Schlägereien mehr oder minder heftig beschädigt wird. Es ist was los auf den 315 nicht zu klein gesetzten Seiten des Paperbacks, das darf an dieser Stelle verraten sein.

    Nun zur Frage aller Fragen: Soll man sich das antun? Schon, soll man. Ehrlich. Wenn man sich durch den etwas zähflüssigen Angang durchgebissen wird, bekommt man eine spannende und ironische Krimigeschichte geliefert. Der Aufwand, den Helden, sein Team und die Begleiterscheinungen zu zeichnen, lohnt sich allerdings erst, wie ich meine, wenn weitere Sandner Krimis geschrieben, gedruckt und ge- bzw. verkauft werden.

    Daher die große Bitte an Verlag und Autor: Bitte bald mehr davon. Ich hätte schon gern gewusst, wie das mit den gedetschten Klötzen des Helden und seinem ramponierten Hirn weitergeht. Auch das Apfelmadl und die Kriminalerin Wiesner machen Lust auf eine Fortsetzung.

    Netfinder:
    www.leselupe.de
    www.piper.de

    Weltweitweb, im April 2012

    Walther

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