Leichte Fracht – Vorschau auf das Haiku-Jahrbuch 2017

    Im Folgenden haben wir – in Absprache mit dem Herausgeber – das Vorwort des Haiku-Jahrbuchs 2017 bereitgestellt. Es ist das Kompendium des Haikuschaffens im deutschsprachigen Raum. Man kann es kostenfrei als PDF auf der Seite von Volker Friebel herunterladen – oder es bei ihm als echtes Buch erwerben. Es lohnt sich in jedem Fall.
    Viel Freude beim Lesen wünscht die zugetextet.com Redaktion!

    Schwer und tief, das gehört zusammen, in der Literatur. Mit Leichtigkeit verbinden wir Vögel und Wolken. Ich glaube aber, die Welt wiegt gar nichts. Wenn der Dichter ein Blatt vom Schreibtisch fegt, wird dieser wohl leichter – aber das Gewicht der Welt nimmt deshalb nicht zu und nicht ab.

    Haiku jedenfalls zählen zu den leichten Dingen der Welt. Und sie sollen, so steht in alten Kochbüchern außerdem noch, eher kurz sein, gegenständlich und heiter. Und bei all dem noch mit einfachen Worten gut verständlich geschrieben.

    Die Dichter haben sich nie drangehalten, die tapsen nach allem, was sich bewegt und schreiben darüber alle in ihrer eigenen Art, schwer oder leicht, ob es ein Schmetterling ist oder eine Kröte.

    Das kleine Boot auf dem Titelbild dieses Jahrbuchs nimmt alles gern auf. Wer sich mit seinen Texten nicht wohl darin fühlt, für den steht das Container-Schiff dahinter bereit. In der Stadt dieses Hafens, in Kochi, war eine Zeit Vasco da Gama begraben, der im Jahre 1498 ein Stück weiter nördlich der Pfefferküste gelandet ist und damit ein neues Zeitalter einläutete, als erster Europäer, der Asien über das Meer erreichte. Um Handel ging es.

    Als geschäftstüchtig gelten Dichter eher nicht. Doch so, wie der Pfeffer europäisch geworden ist, hat auch das Haiku den Sprung in den Westen geschafft. Beim Handel gibt es nicht nur Gewinner, Kultur dagegen kann alle bereichern.

    Wie immer wird auf einen roten Faden im Jahrbuch verzichtet, wird alles gern gesehen, was ist – wenn es denn zu interessieren weiß, zu berühren, zu inspirieren. Tradition oder Experiment, das ist ganz gleich.

    So findet sich in diesem Jahrbuch des Projekts Haiku heute wieder kreuz und quer Schweres, Leichtes, Heiteres, Trauriges, so zeigen sich viele Facetten der Welt und mit ihnen ganz verschiedene Augen, sie aufzunehmen und Federn, sie aufzuschreiben.

    In das vorliegende Jahrbuch wurden 556 Haiku von 116 Autoren sowie zehn Tan-Renga aufgenommen. Die meisten Texte erschienen erstmals in den Monatsauswahlen von Haiku heute, in den Organen der Deutschen Haiku-Gesellschaft (Vierteljahresschrift Sommergras, Werkstätten, Haiku-Agenda 2018), in Chrysanthemum (halbjährliche internationale eZeitschrift), auf VerSuch (eProjekt für Gendai-Haiku), in eXperimenta (monatliche eZeitschrift), auf Tageshaiku, in der Facebook-Gruppe Haiku-like. Weitere Texte wurden von den Autoren auf die Ausschreibung des Jahrbuchs hin eingereicht. Für die Aufnahme war Bedingung, dass die Texte im Jahr 2017 geschrieben oder in diesem Jahr erstveröffentlicht worden sind. Alle Texte wurden durch den Herausgeber ausgewählt und von ihm zusammengestellt, kritisch unterstützt durch Elisabeth Menrad.

    Da schwimmen sie hin, auf dem Titelbild, Boot und Container-Schiff. Wir bleiben zurück und können nur hoffen, dass sie andere Häfen und Menschen erreichen und ihnen zeigen, dass das Besondere ganz in der Nähe liegt, im Gewöhnlichen, oft im Unscheinbaren, Kleinen. Und dass es viele verschiedene Gesichter der Welt gibt und der Blick in jedes davon interessant sein kann, um zu staunen vor der Größe und Weite der Welt und dieser Vielzahl an Möglichkeiten in ihr. Im Haiku und anderswo.

    Gute Fahrt!

    Volker Friebel

    Nachweis aller Haikujahrbücher: http://www.haiku-heute.de/Jahrbuch/jahrbuch.html

    Webseite: http://www.haiku-heute.de

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